{Gelesen} Frank Schätzing: Tod und Teufel

Taschenbuch, 501 Seiten
Goldmann, 2003
ISBN: 3-442-45531-6
Goodreads

Klappentext:
Köln im Jahr 1260:
Jacop der Fuchs, ein liebenswerter Dieb und Herumtreiber, wird unfreiwillig Zeuge eines Mordes. Er sieht, wie eine düstere Gestalt den Kölner Dombaumeister vom Gerüst in den Tod stößt. Aber er selbst muss auch gesehen worden sein. Denn jeder, dem Jacop diese Geschichte erzählt, ist kurze Zeit später tot. Dem jungen Mann wird schnell klar, dass er nur eine Chance hat, seine Haut zu retten. Er muss den Täter entlarven, bevor auch er zu seinem Opfer wird.

Meine Meinung:
Ich wusste ehrlich gesagt herzlich wenig über Köln – egal ob in der Jetztzeit oder im Mittelalter (sorry, liebe Kölner Leser 😉 ). Und noch weniger weiß über den Kölner Dom und besonders wenig über seine Erbauung – außer dass er ein schönes Gebäude ist – also auf Fotos zumindest – und gefühlt ewig an ihm gebaut wurde.
Gut vom Dom weiß ich an sich ich auch nach der Lektüre recht wenig und davon wie er gebaut wurde auch. Aber dem mittelalterlichen Köln mit seinen Gassen und Marktplätzen fühle ich mich jetzt viel näher. Die Beschreibungen der Stadt sind wirklich lebendig und atmosphärisch geschrieben und sehr gelungen.

Als deutlich problematischer empfand ich dagegen die Personen im Roman. Die Guten – und damit fängt es eh schon, die Einteilung in gut und böse könnte nicht deutlicher sein – sind in ihrem Denken und Handeln viel zu modern um glaubhafte Bürger des 13. Jahrhunderts zu sein. Besonders bei Jacop, Jasper und vor allem Richmondis konnte ich da nur noch mit dem Kopf schütteln.
Und die Bösen sind böse. Ansonsten bekommt jeder noch ne zweite Eigenschaft (einer ist rücksichtslos, einer von Hass beflügelt, ein anderer ein Zweifler, etc). Aber das war es auch schon. Sie werden komplett darauf reduziert.

Bei der Handlung selbst wechseln sich spannende Passagen, in denen mich die Geschichte auch sehr zu fesseln wusste, mit zähen und langweiligen Abschnitten ab. Letztere bestehen meist aus irgendwelchen trockenen, durch nichts aufgelockerte Monologe von Jasper in denen er über Seiten Hintergrundwissen wiedergibt, damit der Leser dem unnötig komplizierten politischen Hintergrund folgen kann.

Aber eigentlich ist das komplett unnötig (und ich hab es auch irgendwann genervt überblättert). Jeder, der schon mal 3 Minuten Tatort gesehen hat, weiß schon nach kurzer Zeit, wer warum und von wem ermordet wurde. Es könnte praktisch nicht offensichtlicher sein, wenn Schätzing seine Bösewichte in einer Versammlung hätte sagen lassen: Um alles noch mal zusammenzufassen, wie haben xy getötet aus dem und dem Grund.“

Besonders schlimm daran, ist dass es so offensichtlich ist, aber gleichzeitig die Nennung des Motiv unheimlich konstruiert immer wieder aufs Neue verhindert wird. Durch die absurdesten Situationen. Und spätestens als das das dritte Mal der Fall war, kam ich mir leicht verarscht vor. Und das ist kein schönes Gefühl.

Kann man lesen, muss man aber absolut nicht. Es gibt bessere Romane – sowohl von Schätzing (das hier ist übrigens sein Debütroman, der erstmals 1995 veröffentlicht wurde und das erklärt wohl, warum er so deutlich schlechter als beispielsweise der Schwarm ist) als auch aus dem historischen Genre.

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{Gesehen} Carmilla Season 3 & 4

Image: imdb.com

Worum geht es (Staffel 3):
Following the events of the season two finale, it doesn’t take long for Laura to literally fall upon old VHS tapes…and her curiosity gets the best of her. We flash to Silas in 2012. Freshmen Perry and Mel have just been forcefully locked into the same interrogation room, awaiting a certain Inquisitor. Oh, and the periods have been missing for 3 months.

Folge 3×01 – alle Folgen sind frei auf Youtube zu sehen:

Eckdaten:
Sender: KindaTV auf Youtube
Jahr: 2015 bzw. 2016
Staffel: 3 bzw. 4 von 4, allerdings gibt es einen Film, der die Handlung fortsetzten wird
Anzahl Folgen/Staffel: 12 bzw. 36
Laufzeit einer Folge: etwa 5 Minuten
Schauspieler: Elise Bauman, Natasha Negovanlis, Annie Briggs, Kaitlyn Alexander, Enrico Colantoni, Matt O’Connor
Rezensionen zu weiteren Staffeln: Season 1 & 2

Meine Meinung:
Nachdem sich die ersten zwei Staffeln als überraschend vergnüglicher Serien-Snack (ich mein Episodenhäppchen von jeweils 5 Minuten lassen sich in die vollsten Tage reinquetschen) entpuppt hat, war ich sehr gespannt auf die anderen zwei Staffeln.

Wobei Staffel 3 da gleich mal eine Überraschung war, weil sie nicht dem bekannten Konzept folgt. Es gibt nur eine sehr lose und bedingt logische Rahmenhandlung, die nach den Ereignissen von Staffel 2 spielt, aber der Großteil der Staffel ist eine lange Rückblende in die Zeit vor Staffel 1 als Laura zum ersten Mal Silas besichtigt hat. Dementsprechend wird von den Verantwortlichen die Staffel auch oft als Season Zero bezeichnet, was der inneren Chronologie entspricht.

Und ich finde die Idee der Rückblende an sich gar nicht schlecht. Es gibt der Serie die Möglichkeit aus dem gewohnten Gang der Dinge etwas auszubrechen und Figuren in einem anderen Licht und Kontext erscheinen zu lassen. Außerdem ist Laura da noch so herrlich naiv und ahnungslos. Und Mel und Perry als Freshmen ist toll. So völlig anders aber doch gleichzeitig im Kern die gleichen.
Aber und das ist ein großes aber: diese Staffel ist im Prinzip eine Dauerwerbesendung für den Sponsor U by Kotex (Kotex ist ein Hersteller für Tampons und dergleichen) mit minimaler Handlung drumherum.
Es gibt zwar ein paar lustige Momente, die an die vorhergehenden Staffeln erinnern, aber insgesamt wirkt es einfach konstruiert und gezwungen. Offensichtlichstes Product Placement ever.

Die vierte Staffel dagegen spielt wieder in der Gegenwart und hat zum Glück auch wieder das Niveau von Staffel eins und zwei.
Es ist immer noch die alte Geschichte von wegen „Laura & Co versus The Dean“, die immer mehr eskaliert und in welcher der Dean immer bösartigere Pläne verfolgt. Ganz nachvollziehen konnte ich die Entwicklungen nicht immer, allerdings war ich beim Schauen zugegeben auch manchmal etwas abgelenkt. Man merkt, dass den Macher wahrscheinlich mehr Geld zur Verfügung stand (insofern hat sich Staffel 3 wohl doch gelohnt), denn auch wenn Laura scheinbar immer noch keinen Laptop hat und ihre Vlogs immer noch alle aus dem gleichen Blickwinkel gefilmt sind, so ist das Set doch deutlich besser ausgestattet und wirkt hochwertiger.

Besonders hervor gestochen hat hier für mich zu meiner eigenen Überraschung Anny Briggs, die sich als äußerst talentierte Schauspielerin zeigt und mit den verschiedensten Herausforderungen (und sie hat ohne Zweifel in der Staffel die schwierigsten Aufgaben) fertig wird und es ist mir absolut unerklärlich, warum sie noch nicht in irgendner TV-Serie ne Hauptrolle bekommen hat.

Wirklich eine sehr amüsante, kurzweilige Serie mit hohem Unterhaltungswert.

Staffel 3:
Staffel 4:

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{Gelesen} Yassin Musharbash: Jenseits

Taschenbuch, 314 Seiten
Kiepenheuer & Witsch, 2017
ISBN: 978-3-462-05046-2
Goodreads

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Klappentext:
Will der junge IS-Kämpfer Gent wirklich aussteigen? Nach seinem hochgelobten Roman „Radikal“ legt Yassin Musharbash einen Politthriller vor, der kaum aktueller sein könnte: Wie überfordert sind die Sicherheitsbehörden? Wie sollen wir umgehen mit den Terroristen aus der Mitte unserer Gesellschaft? Und vor allem: Was passiert eigentlich in deren Köpfen?

Meine Meinung:
Nachdem mich vor einigen Jahren „Radikal“, der Debütroman des Autors, so sehr begeisterte, dass er es sogar in die Top 3 meines Lesejahres 2011 schaffte. Umso begeisterter war ich von der Ankündigung des neuen Romans Jenseits, in dem sich Musharbash auch wieder mit einem hochaktuellen Thema auseinandersetzt.

Und das auf sehr kluge Weise. Erzählt wird von und aus verschiedenen Blickwinkeln auch über Gent, der sich dem IS angeschlossen hat. Eine Situation, in und mit der keiner wirklich glücklich ist. Seine Eltern sowieso nicht, die Sicherheitsbehörden nicht, die Sozialarbeiter und Ausstiegshelfer nicht, Gents Muslimlehrer nicht – aber auch Gent nicht so richtig. Eine komplexe, konfliktreiche Mischung.

Man merkt, wie gründlich der Autor sich mit der Thematik auseinandergesetzt schon allein daran, dass jeder der Blickwinkel sehr überzeugend, realistisch und glaubwürdig wirkt. Und natürlich interpretiert führt jeder Blickwinkel auch zu einer unterschiedlichen Interpretation der Situation, eine eindeutige Wahrheit gibt es nicht, sondern eher viele sich widersprechende Wahrscheinlichkeiten. Und aus diesen unterschiedlichen Interpretation entwickeln sich Reaktionen. So nimmt die Handlung schnell Fahrt auf und wird auch bis zum Ende nichts an Tempo und Spannung verlieren. Und als Leser hoffte man auf ein gutes Ende, weiß aber selbst nicht genau wie das aussehen soll. Eine einfache Rückkehr in das ’normale‘ Leben kann es für gent kaum geben, aber Alternativen sind auch schwer vorstellbar.

Aber trotz allem, ist der Funke nicht ganz über gesprungen. Ich fand den Roman spannend und interessant und ohne Zweifel auch ein guter Beitrag zu aktuellen Diskussionen. Aber ganz gefangen nehmen konnte er mich nicht, es war immer eine Distanz da, auch wenn ich nicht sagen konnte warum. Vielleicht ging es mir einfach, wie so ziemlich jedem im Buch: trotz aller Erklärungsversuche kann ich einfach Gent beim besten Willen nicht verstehen.
Aber der Roman will – und kann – auch gar keine Antworten liefern. Darum ging es meinem Empfinden nach auch gar nicht.

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{Monatsrückblick} #9/2017

Gelebt:
2 Wochen Urlaub ♥ Ich hab so keine Lust am Mittwoch wieder arbeiten zu müssen….
Kleinen Kurztrip gemacht, versucht familiäres Drama so weit es geht zu vermeiden und etwas aufgeräumt, organisiert und aussortiert (Platz im Kleiderschrank!).
Ansonsten: Bundestagswahl. Ugh. Das Ergebnis ist ja leider weder erfreulich noch überraschend.

Gelesen:
Ich hatte schon mal ein besseres Händchen bei meiner Bücherauswahl gehabt… Begonnen hat der September mit Vier Schnappschüsse und ein Todesfall, welches eine deutliche Enttäuschung war. Außerdem noch Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde, das wenigstens schnell gelesen war, von dem ich mir aber auch mehr erhofft hatte. Dem folgte das zwar an einigen Stellen ganz lustige aber insgesamt viel zu unrealistische Kein Wort zu Papa von Doris Heldt sowie Jenseits von Yassin Musharbash. Letzteres war von der Grundidee sehr interessant, aber hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Und heute hab ich dann noch Verdorbenes Blut von Geoffrey Girard gelesen, das an sich okay war von dem ich dank viel Lob im Vorfeld aber auch mehr erwartet hatte.
Ach ja und In der Mitte der Nacht von Michael Cox hab ich zum zweiten Mal gelesen und bin erneut davon begeistert gewesen, wie sehr es dem Autor gelingt das Werk wie das Buch eines viktorianischen Schriftstellers wirken zu lassen.
Etwas genervt bin ich von mir selbst, dass ich nur 1,5 Comics gelesen habe und hoffe das wird im Oktober besser. Beendet hab ich den vierten Band, der Angel: After the Fall-Reihe und den fünften etwa zur Hälfte gelesen. War okay, aber wirklich gefesselt hat es mich nicht.

Gesehen:
Mit den Serien lief es dann zum Glück etwas besser als mit der Bücherauswahl, wenn auch der Anfang nicht so vielversprechend war. Ich hab die zweite Staffel von Preacher beendet und bin ziemlich enttäuscht von der Entwicklung. Positiv überrascht hat mich dagegen Marseille (hey, mal ne Serie die weder in USA noch UK spielt xD), das zwar manchmal doch etwas soap-opera-artig wird, aber ne spannende Politikserie ist. Weiter ging es mit A Series of Unfortunate Events, welche sich schon allein wegen des Intros (gesungen von Neil Patrick Harris und alle zwei Folgen leicht verändert ❤ – Youtube aber Achtung die Songs sind so aufgebaut, dass sie spoilern) lohnt. Ansonsten ist es sehr, sehr seltsam, aber auf ne gute Weise. Und dann hab ich die erste Staffel von The Crown etwa bis zur Hälfte gesehen und nunja ich weiß echt nicht wen ich am unsympathisten finden soll. Aber trotzdem fesselnd.
Außerdem ein paar Folgen von Full House, weil ich in ner traurigen Stimmung war und eine Feel-good-Serie brauchte. Und die ersten zwei Folgen von Star Trek: Discovery, die an sich gut waren, aber mehr ein Prequel zur eigentlichen Serie.

Neuzugänge:

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{12 Monate} #8

Irgendwie seltsam, wenn nach dem letzten Sonntag noch fast ne komplette Woche kommt.

Wohooo, neues Bücherregal ❤

Ein Zustand, der wahrscheinlich nicht lange anhalten wird, aber ich hab mal genug Platz um meine absoluten Lieblinge etwas in Szene zu setzen.

Vormonate:
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August

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{Gelesen} John Grisham: Berufung

Originaltitel: The Appeal
Übersetzer*in: Dr. Bernhard Liesen, Bea Reitner, Kristiana Ruhl, Imke Walsh-Araya
Taschenbuch, 461 Seiten
Heyne, 2009
ISBN: 978-3-453-43454-7
Goodreads

Klappentext:
Sie verlor ihre ganze Familie. Um ihren Tod zu sühnen, zieht Jeanette Baker gegen einen der größten Chemiekonzerne der USA vor Gericht. Als ihrer Klage stattgegeben und das Unternehmen zu 41 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt wird, ist die Sensation perfekt. Doch dann geht Krane Chemical inc. in Berufung, und eine Intrige unglaublichen Ausmaßes nimmt ihren Lauf.

Meine Meinung:
Also ich anfing das Buch zu lesen, wurde mir recht schnell aus was der im Klappentest nur angedeutete Skandal besteht: Eine Chemiefirma hat über Jahrzehnte hinweg das Grundwasser einer kleinen Stadt verseucht – und die Anwohner ebenso lange genau dieses Wasser getrunken. Krabsraten schießen in die Höhe, Menschen sterben etc. Niemand stört es, niemand stellt Fragen, die Behörden versichern alles sei in Ordnung blabla.

Und es klang so unrealistisch. So unvorstellbar.
Joa, und dann fiel mir Flint ein. Flint, eine kleine Stadt in Michigan. Die seit rund 1.250 Tagen (das heißt ~ 3,4 Jahren) kein sauberes Wasser hat. Und geringere Fruchtbarkeitsraten. Okay, es war die Automobilbranche und nicht die Chemiebranche, aber trotzdem. Und Grisham schrieb sein Buch, bevor der Skandal um Flint publik wurde. Unglaublich ist es trotzdem, das so etwas trotzdem Realität in einem hochentwickelten Land wie den USA sein kann.

Leider ist diese ungeplante Realitätsnähe aber auch so ziemlich das beste an Grishams Buch. Klar, es führte mir mal wieder vor Augen, wie scheiße das amerikanische Justizsystem eigentlich ist – aber so geht es mir bei Gerichtsthrillern aus den USA immer.
Wobei es dieses Mal einen neuen Aspekt in Spiel brachte: Richter werden nämlich in einigen Bundesstaaten gewählt. Von den Bürgen. Klingt ja erst mal ganz demokratisch (und ja sie müssen vorher Jura studiert haben). Aber: sie führen auch einen Wahlkampf – mit Auftritten im ganzen Bundesland, Werbespots, Wahlkampfteams etc. – und das kostet Geld. Also braucht man auch Spenden. Und wenn jetzt so ein Unternehmensverband / Lobbyverein ums Eck kommt und sagt: ‚hey hier sind 20 Millionen, aber halt dich mal nach der Wahl etwas zurück, was Schadensersatz angeht.‘ klingt das nicht nach nem objektiven Richter.
Und genau so ein Wahlkampf macht einen großen Teil der Handlung aus. Es geht zwar um Richter und es gibt auch ein paar Gerichtsszenen, aber insgesamt ist es meiner Meinung nach mehr ein Politikthriller.

Aber was störender ist, ist die klare Aufteilung in gut und böse. Da ist der Chemiekonzern, dem Gewinn über alles geht und der vor nichts zurückschreckt, personifiziert von dem ehrgeizigen, machtbesessenen, sich in jeder Hinsicht wie ein Arschloch verhaltenen Mehrheitseigentümer, der im Luxus schwelgt und doch nicht den Hals voll bekommt. Und auf der anderen Seite zwei Anwälte – natürlich eine Ehepaar – am Rande des Konkurs ohne jegliche finanzielle Unterstützung aufopferungsvoll gegen diesen ressourcenreichen Chemiegiganten kämpfend. Es ist so rührend. Und vor allem nervend in dieser Eindeutigkeit ohne jegliche Schattierungen.

Aber trotzdem war die Handlung spannend und entwickelte sich zu einem page-turner. Zwar teilweise nicht glaubwürdig, aber spannend. Da merkt man einfach acuh die Routine des Autors, der genau weiß wie er seine Leser unterhält und gefangen nimmt. Bis zum Ende. Das war einfach nur frustrierend. Wobei sich Grisham da meiner Meinung nach auch irgendwie in eine Sackgasse geschrieben hat. Denn sobald die Handlung einen gewissen Punkt überschritten hat, sind alle vorstellbaren Enden einfach nur doof und frustrierend.

Für mich keine Glanzleistung des Autors, da hab ich schon deutlich bessere Bücher von ihm gelesen. Die Einblicke in das Justizsystem und die Richterwahl sind interessant, aber die Handlung selbst eher weniger.

Veröffentlicht unter 3 Sterne, Bücher, Buchbesprechungen, Crime | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

{Blogparade} Frankfurter Buchmesse 2017

Noch 23 Tage bis zur Frankfurter Buchmesse! Und um die Zeit bis dahin kürzr erscheinen zu lassen, ruft Biggi von Melusines Welt zu einer kleinen Blogparade aufgerufen.

✰Nenne drei Gründe, warum du 2017 die Frankfurter Buchmesse besuchst.
– Bücher! So viele neue (im Sinne von unbekannte) Bücher.
– einfach die Atmosphäre
– weil parallel auch der Buchmessen Convent stattfindet und das zusammen ein tolles Wochenende ergibt

✰Was ist für dich das Besondere an dem Besuch einer Buchmesse, besonders in Frankfurt?
Ehh, ich wiederhole mich aber einfach die Atmosphäre. Alles dreht sich um Bücher, wenn auch aus den verschiedensten Gründen und wo anders ist das schon mal so? Jaja, Leipzig ich weiß ( 😉 ), aber Frankfurt liegt für mich so viel günstiger.

✰Auf welchen Programmpunkt auf der FBM 2017 freust du dich besonders?
Bisher auf keinen besonderen. Ich müsste mich erst mal eingehender mit dem Veranstaltungskalender beschäftigen.

✰Wo ist dein Lieblingsort auf der Frankfurter Buchmesse und warum?
Zwischendrin immer mal wieder das Freigelände, einfach weil da die Menge nicht so dicht ist und man da etwas Ruhe und frische Luft tanken kann. So interessant die Hallen mit allem sind, ich brauch Pausen von den ganzen Reizen dazwischen um nicht überwältigt zu werden.

✰Was unternimmst du nach Schließung der Messehallen abends in Frankfurt?
Was essen, halbtot in ein Bett fallen.

✰Wie hälst du deine Erfahrungen von der Buchmesse fest?

Hauptsächlich Millionen Fotos von Buchcovern, die mich interessieren (könnten). Ansonsten ein paar schnell hingekritzelte Notizen, aus denen dann mal ein Blogbeitrag werden wird.

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{Gelesen} Gemma Halliday: Vier Schnappschüsse und ein Todesfall

Originaltitel: The Perfect Shot
Übersetzer*in: Frauke Lengermann
Taschenbuch, 317 Seiten
Lyx, 2012
ISBN: 978-3-8025-8436-7
Hollywood Gossip #2
Goodreads

Klappentext:
Cameron Dakota ist Starfotografin bei dem berüchtigten Klatschmagazin L.A. Informer. Als sie eines Abends Aufnahmen von dem attraktiven Schauspieler Trace Brody machen will, beobachtet sie, wie dieser von Unbekannten bedroht und entführt wird. Die Polizie schenkt Cam keinen Glauben – sie hält das Ganze für einen Publicity Gag. Also macht Cam sich allein auf die Suche nach dem vermissten Schauspieler und gerät dabei schon bald selbst in große Gefahr.

Meine Meinung:
Ich fand den ersten Band der Reihe zwar komplett unrealistisch und oberflächlich, aber gleichzeitig auch sehr amüsant und angenehm zu lesen. Von daher ist es wohl auch wenig überraschend, dass ich freudig zugrief als mir der zweite Band als günstiges Mängelexemplar über den Weg lief.

Man, was bin ich enttäuscht. Das Grundprinzip ist zwar das selbe – eine Mischung aus unrealistischem Krimiplot mit sehr vorhersehbarer Liebesgeschichte. Aber dies Mal wollte der Funke so gar nicht überspringen. Im Gegenteil ich war vor allem damit beschäftigten die Augen zu verdrehen und „so ein Scheiß“ zu murmeln.

Die Krimihandlung war von Anfang bis zu dem unglaublich absurden Ende hin einfach nur bescheuert und komplett unlogisch. Und weil die Autorin wohl selbst merkte wie dünn das Ganze ist, hat sie noch schnell eine Nebenhandlung um einen mysteriösen Mord von vor Jahrzehnten eingebaut um Seiten zu füllen. Der sich dann von selbst in Wohlgefallen auflöst und absolut nichts zur eigentlichen Handlung oder zur Entwicklung irgendeiner Figur beiträgt.

Und dann sind da noch Cam* und Trace, das Liebespaar des Buches. Oder genauer gesagt Cam und Traces 0%-Fett-100%-Muskeln-Körper, denn was anderes interessiert sie gar nicht an ihm. Ich weiß gar nicht wie oft ins kleinste Detail beschrieben wird, wie Schweißperlen die leicht gebräunte Haut hinunter laufen und dabei Cam ganz tolle Schmetterlinge im Bauch bekommt…. Nee keiner in dem Buch wirkt auch nur kurz sympathisch oder auch nur interessant.
*aus dem Namen Cameron und der Tatsache, dass sie Fotografin ist, den Spitznamen Cam zu bilden, ist noch das Cleverste und Beste an dem ganzen Buch.

Irgendwo ist es wohl doch dem Schreibstil der Autorin hoch anzurechnen, dass ich das Buch überhaupt beendet habe. Aber den dritten band werde ich trotzdem nicht auch noch lesen.

Veröffentlicht unter 2 Sterne, Bücher, Buchbesprechungen, Chicklit | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

{Gesehen} The Defenders Season 1

Image: imdb.com

Darum geht es:
Blind ninja. Smart-ass detective. Bulletproof ex-con. Kung Fu billionaire. Marvel’s The Defenders centers on four outsider heroes that have to put aside their personal issues and come together when a villainous sect threatens to destroy New York City as we know it.

Trailer:

Eckdaten:
Sender: Netflix
Jahr: 2017
Staffel: 1 über weitere wurde noch nicht entschieden
Anzahl Folgen/Staffel: 8
Laufzeit einer Folge: etwa 55 Minuten
Schauspieler: Charlie Cox, Krysten Ritter, Mike Colter, Finn Jones, Elodie Young, Sigourney Weaver, Jessica Henwick, Scott Glen, Rosario Dawson, Wai Ching Ho, Eden Henson, Simone Missick, Rachael Taylor, Deborah Ann Woll
Rezensionen zu weiteren Staffeln & Serien aus dem Defenders Universum: Daredevil (Staffel 1 & Staffel 2), Jessica Jones (Staffel 1), Luke Cage (Staffel 1), Iron Fist (Staffel 1)

Meine Meinung:
Nachdem ich von Iron Fist doch ziemlich enttäuscht war, hatte ich doch etwas Skepsis wie sehr es den Machern gelingen würde diese vier ungleichen Helden und ihre Serien zu einem stimmigen Höhepunkt zusammen zu bauen. Aber es ist recht gut geglückt.

Die Handlung selbst hat einige Schwächen und/oder Logiklücken. So finde ich es zum Beispiel alles andere als glaubwürdig, dass Alexandra erst jetzt ihren großen Auftritt hat und nicht schon vorher in Iron Fist oder auch auch der zweiten Daredevil Staffel zumindest erwähnt wurde. Das ergibt einfach keinen Sinn.
Und dann ist da noch der (die? das?) Black Sky, der was ganz besonderes ist und unheimlich wichtig. Wird auch ganz oft betont. Aber auch nach dem Ende der Serie hab ich keine Ahnung, was das Besondere ist. Ja sie ist ein exzellenter Martial Arts Kämpfer, ohne Zweifel. Aber das sind – sehr grob und vorsichtig geschätzt – noch so ungefähr drei Dutzend weitere Figuren in der Serie. Was macht sie so speziell? Wofür wird sie gebraucht? Und so gibt es noch ein paar unstimmige Dinge. Allerdings haben sie mich, auch wenn sie mir aufgefallen sind, mich nicht daran gehindert die Serie mit Vergnügen zu verfolgen.

Und zu meiner großen Überraschung fand ich auch Danny halbwegs erträglich (besser wird unser Verhältnis vermutlich auch nie werden). Was allerdings nur zu einem kleinen Teil Danny selbst bzw. Finn Jones zu verdanken ist, dessen Kampfszenen hier wenigstens deutlich besser aussehen als in seiner Solo-Serie. Aber vor allem liegt es daran, dass seine drei Mit-Defenders mal schön skeptisch-sarkastisch auf Dannys Mysik-Jumbojumbo reagieren und sich seinen Bullshit keine Sekunde lang gefallen lassen.
Und natürlich hilft es auch ungemein, dass sich viel zentrale Figuren das Spotlight teilen (müssen). Da kann sich keiner davon so sehr profilieren wie in den Einzelszenen.
Und es war einfach schön so viele der wichtigeren Nebenfiguren aus den anderen Serien wiederzusehen und miteinander agieren zu sehen: Mein kleines Highlight: Trish und Karen als Journalisten-Team (Spinoff, pleeeeeeease?).

Ich war etwas überrascht, dass sich die Serie nahezu drei Episoden (man beachte, dass das etwa 38% der Serie entspricht!) Zeit nimmt, bis die vier mal alle aufeinander treffen. Bis man sie als Team bezeichnen kann, noch mal länger. Das gibt ihr zwar auch Zeit die Handlungsfäden langsam und passend zusammen laufen zu lassen und auch noch mal eine kleine Einführung in die Charaktere und ihre Probleme (aka Murdocks Schuldkomplex, Jessicas Alkoholproblem, Lukes Verantwortung für Harlem, Dannys äh… Taktik des erst Zuschlagen und sich dann fragen warum) zu geben und die Verbindung zu ihren jeweiligen Serien herzustellen. Aber gleichzeitig fand ich da am Anfang die Serie auch etwas zäh.
Was ich allerdings da super gemacht fand, war die Arbeit mit den Farben. Jede/r der vier Defenders hat seine eigene Farbe. Das beginnt schon im Intro, setzt sich aber auch in den einzelnen Szenen fort. Jessica hat blau/purple, Daredevil rot, Luke in Gelb-/Goldtöne und Danny in grün, in welche die ganzen Szenen als Hintergrundfarbe getaucht sind. io9 hat das ausführlich analysiert und ich find es sehr faszinierend.

Irgendwo ist es schon so eine Art realistischere, street-level Version of Avengers. Erwachsener und dunkler wie die Solo-Serien ja auch schon, aber deswegen nicht schlechter. Nur anders. Eine gute Zusammenführung aller bisherigen Handlungen mit genug offenen Punkten am Ende um weitere Staffeln der Solo-Serien anzustoßen.

Veröffentlicht unter 4 Sterne, Serien, Superheroes | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

{Gelesen} Up & Coming – Up and Coming: Stories by the 2016 Campbell-Eligible Authors

ebook, 3.040 Seiten
Bad Menagerie, 2016
Goodreads

Beschreibung:
This anthology includes 120 authors—who contributed 230 works totaling approximately 1.1 MILLION words of fiction. These pieces all originally appeared in 2014, 2015, or 2016 from writers who are new professionals to the SFF field, and they represent a breathtaking range of work from the next generation of speculative storytelling.
All of these authors are eligible for the John W. Campbell Award for Best New Writer in 2016. We hope you’ll use this anthology as a guide in nominating for that award as well as a way of exploring many vibrant new voices in the genre.

Meine Meinung:
Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf diese Sammlung von Kurzgeschichten aufmerksam wurde – sie war nur kurz als kostenloser Download verfügbar und ich dachte mir warum nicht. Die enorme Seitenzahl hab ich damals gar nicht realisiert.

Es ist eine Sammlung von längeren und kürzeren Kurzgeschichten, Novellen und Novelletten (ich hab keine Ahnung, was der Unterschied ist) sowie Leseproben von Roman. Die Länge der einzelnen Werke reicht von einer bis zu etwa fünfzig Seiten. Alle veröffentlichten Autoren waren wählbar für den John W. Campbell Award, der mir damals nichts sagte und mir auch jetzt nur was sagt, weil ich den Link eben durch Google gefunden habe. Es handelt sich nur um Texte aus den Genren Fantasy und Science Fiction.

Was aber keinesfalls heißt, dass die Geschichten sich alle ähnlich sind. Im Gegenteil, wenn dieser Sammlung eins gelungen ist, dann aufzuzeigen, wie divers diese Genres sein können und wie wenig man davon in den  Mainstream-Büchern eigentlich wirklich mitbekommt. So ziemlich jedes denkbare Subgenre wird abgedeckt, die Hauptfiguren sind von Herkunft, sexueller Identität und Orientierung, Glaube etc. unheimlich unterschiedlich, Geschichten kommen aus den verschiedensten Kulturen. Wo sonst kann man schon mal Fantasy lesen, die sich auf afrikanische Mythen bezieht?

Bei 230 Geschichten ist es natürlich keine Überraschung, dass mir nicht alle gefallen haben. Das Feld reichte da wirklich von „vollkommen begeistert“ bis hin zu „nach den ersten drei Sätzen hab ich den Rest der Geschichte übersprungen“. Auch stilistisch sind große Unterschiede zu erkennen. Es gibt einige eher experimentelle Geschichten und die würde ich rein von der Form nicht immer als gelungen bezeichnen – beispielsweise ist eine Geschichte in Form eines Reddit-AMA geschrieben und das fand ich einfach nur unleserlich und unheimlich anstrengend.

Aber gleichzeitig waren 230 Geschichten beziehungsweise über 3000 Seiten auch einfach viel zu viel. Ich hab schon mehrere, teilweise wochenlange Pausen beim Lesen eingelegt und trotzdem fühlte ich mich ab einem gewissen Punkt von der reinen Masse einfach nur erschlagen. Es trat irgendwann eine Art Übersättigung an den Genres ein und ich konnte die einzelnen Geschichten gar nicht mehr wirklich wertschätzen.

Aber trotz allem, was es eine sehr interessante Lektüre mit einer Vielfalt, die ich in dem Maße vorher nicht erwartet hatte. Und ich bin auf einige, mir bis dahin unbekannte Autoren gestoßen, die mich neugierig auf weitere Werke von ihnen gemacht haben.

Veröffentlicht unter 3 Sterne, Bücher, Buchbesprechungen, Fantasy, ScienceFiction | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen