{Gelesen} Simon Lelic: Das Kind das tötet

Das Kind das tötet

Hardcover, 347 Seiten
Droemer, 2013
ISBN: 978-3-426-19943-5

Beschreibung:
Leo Curtice scheint das große Los gezogen zu haben. Der bisher wenig erfolgreiche Anwalt wird Pflichtverteidiger in einem spektakulären Fall: Ein erst zwölfjähriger Junge hat auf brutale Weise eine Elfjährige ermordet. Wider Erwarten packt Leo der Ehrgeiz, dem Jungen wirklich helfen zu wollen. Doch er rechnet nicht mit der Hexenjagd, die nun beginnt. Und dann kommt es zur Katastrophe, die sein Leben auf immer verändern wird.

Meine Meinung:
Lelics Debütroman „Der tote Lehrer“ hat mich beim Lesen sehr nachdenklich gemacht und danach auch noch lange gedanklich beschäftigt. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an sein nächstes Buch.

Doch irgendwie war das hier nicht das, was ich erwartet habe. Es geht in erster Linie nicht – wie ich erwartet habe – um Daniel, den 12jährigen Mörder, seine Gründe für die Tat und sein Leben danach. Nein, Daniel ist nur eine Randfigur. Im Mittelpunkt steht sein Anwalt Leo und dessen Familie sowie die Frage inwieweit es vertretbar ist einen Mörder zu vertreten und dessen Recht auf einen Anwalt über das Wohlergehen der eigenen Familie zu stellen.

Dabei arbeitet Lelic mit verschiedenen Zeitebenen, die zwar einerseits durchaus Spannung erzeugen, weil schon früh im Buch deutlich wird, dass irgendwo in der Handlung etwas schlimmes mit weitreichenden Folgen passieren wird. Andererseits ist es aber auch verwirrend, da der Wechsel der Zeitebene nirgends angekündigt wird. Und ich manchmal erst nach mehreren Sätzen merkte, dass dieses Kapitel in einer anderen Ebene als das vorige spielt und dementsprechend verwirrt war. Hier hätte ich es als sehr hilfreich empfunden, wenn in der Überschrift oder am Beginn des Kapitels eine Jahreszahl gestanden hätte.

Aber auch sonst kommt mir das Verhalten vieler Personen hier in dem Buch unrealistisch vor. Oder ich habe einfach ein zu idealistisches Bild von der Menschheit, das wäre auch eine Möglichkeit. Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum man seine (absolut verständliche Wut) über die Ermordung eines jungen Mädchens an dem Pflichtverteidiger des Mörders und besonders seiner Familie auslassen sollte. Und genau da lieferte mir der Roman leider auch nie eine Antwort, was doof ist, weil ein Großteil der Handlung darauf beruht, dass es eben so ist. Und wenn man das in Frage stellt, stellt man unweigerlich so ziemlich alles in Frage.

Wenn man das allerdings ignoriert, einfach hinnimmt oder versteht, ist es schon eine interessante Handlung. Es ist nicht sonderlich actionreich, ja nicht mal unbedingt spannend, es ist mehr eine Studie menschlichen Verhaltens angesichts eines Verbrechens.  Die kurze Zusammenfassung auf dem Schutzumschlag des Romans als Buch „über Schuld und Vergebung, Liebe und Pflicht“ ist da sehr zutreffend. Dabei stellt Lelic nur die Fragen, vermeidet es aber sehr gut den Leser in eine Richtung zu drücken, sondern überlässt es diesen selbst eine für sie zufriedenstellende Antwort zu finden.

3 Sterne - klein

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3 Antworten zu {Gelesen} Simon Lelic: Das Kind das tötet

  1. Miss Booleana schreibt:

    Oh interessant, danke für deine Review. Hätte das Buch bestimmt gekauft, wenn ich das irgendwie in der Buchhandlung hätte rumliegen sehen. Finde es aber doch sehr ernüchternd, wenn der Fall gar nicht so sehr berücksichtigt wird.

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    • Amerdale schreibt:

      Ich hätte von Titel und Beschreibung (und auch dem vorigen Roman des Autors) auch erwartet, dass Tat und Täter im Mittelpunkt stehen. Aber der Fokus liegt viel mehr auf dem Pflichtverteidiger. Es wird zwar auch darauf eingegangen, was den Jungen bewegt haben könnte, aber nur nebenbei und mehr Vermutungen als sonst was. Und genau das hätte mich halt auch mehr interessiert: Was treibt ein Kind zu solchen Taten? Und wie geht man dann mit dem Täter um? Aber das sind alles nur Randthemen.

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