{on my mind} Bechdel Test und Serien

Zuallererst eine Erklärung zum Bechdel Test:

What is now known as the Bechdel test was introduced in Alison Bechdel’s comic strip Dykes to Watch Out For. In a 1985 strip titled „The Rule“,an unnamed female character says that she only watches a movie if it satisfies the following requirements:
  1. It has to have at least two women in it,
  2. who talk to each other,
  3. about something besides a man.
(Quelle: wikipedia)

Ich mag den Test, weil es eine schöne standardisierte Form ist um einen ersten Eindruck zu bekommen, wie Frauen in einem spezifischen Film repräsentiert sind. Wobei mir natürlich klar ist, dass ein Bestehen oder Versagen des Testes nur sehr bedingt etwas über die Qualität des Films aussagt oder auch nur darüber wie Frauen in dem jeweiligen Film dargestellt werden. Aber es ist schon ein Unterschied, ob ein Film den Test nicht besteht, weil er in einem Kriegsgefangenenlager während des Zweiten Weltkrieges spielt (The Great Escape) und Frauen nun mal durch das Setting bedingt, keine große Rollen spielen können oder ob ein Film wie Avengers den Test nicht besteht, obwohl es meiner Meinung nach nicht so schwer gewesen wäre, da eine passende Szene einzufügen (z. B. Romanov/Hill über die Verteidigung des Hellicarriers). Dabei hat gerade Avengers mit Black Widow eine ungewöhnliche Frauenfigur (was auch wieder was über die Aussagekraft des Tests sagt…).
Und ich finde es gewinnt sehr an Aussagekraft, wenn man das Werk eines Drehbuchschreibers/Regisseurs etc daraufhin untersucht, wie viele seiner Arbeiten den Test bestehen oder eben nicht. Oder wie viele Filme aus einer bestimmten Zeitspanne usw.

*Nebenbei: Von meiner Filmsammlung fallen 60 % durch den Test. Was sagt das jetzt über mich? xD

Aber eigentlich geht es mir ja gar nicht um Filme. Zu denen und dem Test gibt es genug Seiten, wie beispielsweise diesen Tumblr-Blog. Ich les ihn gern, weil ich da schon einige interessante Filmempfehlungen gefunden hab (sowohl unter den Test-Bestehern als auch den -Versagern). Und es gibt auch immer mal wieder Beiträge, die dazu einladen, sich Gedanken zu machen. Wie dieser hier, der kurz auf die Anwendbarkeit des Tests bei Serien eingeht:

On the one hand, the same “representation of female characters” issue absolutely still exists in serial media, the fact of the matter is they have a lot more time to tell a story, and on a long enough timeline the female characters will have to talk about something else, simply to advance the story.
I’m fairly confident that just about any show that runs for more than a season will pass, simply by virtue of having female characters and forty+ hours of screen time to play with.

Selbst Sherlock besteht – für mich doch etwas unerwartet –  den Test, weil sich in 2×01 Irene und Kate (ihre Assistentin, die tatsächlich nen Namen hat) darüber unterhalten, was Irene tragen soll.  Ich vermute die einzigen Ausnahmen sind Serien wie Band of Brothers (ich hab es noch nicht gesehen, aber imdb hat nur zwei Frauen namentlich aufgeführt – und die waren jeweils in unterschiedlichen Episoden).

Aber irgendwie ist es natürlich ein Unterschied ob die drei Kriterien des Bechdel Tests auf einen 1,5-2,5-stündigen Film oder eine Serie mit insgesamt 70 Stunden angewendet werden. Es ist für eine Serie viel einfacher, die Kriterien irgendwie zu erfüllen und irgendwo ein zweizeiliges Gespräch zwischen zwei Frauen zu haben. Da verliert ein Bestehen des Tests natürlich an Aussagekraft.
Aber eine bessere Lösung wüsste ich auch nicht. Die einzigen Möglichkeiten, die mir einfallen, wären
a) jede Episode gesondert zu untersuchen und dann für die Serie ein Fazit nach Art von „58,46 % der Folgen bestehen den Test“ zu ziehen oder
b) die Kriterien so zu erweitern, dass die Frauen in mehreren Folgen vorkommen müssen, es mehrere Gespräche zwischen unterschiedlichen Frauen geben muss oder so
Aber beide Ideen sind mit mehr Aufwand verbunden und nicht so unkompliziert, wie die Film-Version. Was besseres fällt mir aber auch nicht ein.

Beispielsweise gibt es auch den Sexy Lamp Test („if you can replace a female character with a sexy lamp without affecting your story’s plot, you need some help“) von Kelly Sue DeConnick – bei dem ich unweigerlich an die ganzen Bordell-Szenen in Game of Thrones denken muss.

Ein dritter, recht neuer Test ist der Mako Mori Test – benannt nach dem Charakter aus Pacific Rim, entwickelt von Chaila:

The Mako Mori test is passed if the movie has: a) at least one female character; b) who gets her own narrative arc; c) that is not about supporting a man’s story.

Aber es stellt sich hier das gleiche Problem, wie bei dem Bechdel Test. Für Filme sind alle recht einfach anzuwenden (die beiden Test würde Avengers übrigens bestehen xD – vielleicht sollte man sie alle zusammen anwenden für mehr Aussagekraft), aber für Serien gibt es die gleichen Probleme in der Anwendbarkeit.

Wie seht ihr das? Ist der Bechdel Test (und die anderen erwähnten natürlich ebenso) überhaupt auf das Medium TV-Serie übertragbar? Und wenn ja, in welcher Form? Oder wenn nein, gibt es Alternativen? Hat der Test überhaupt noch eine Berechtigung – oder heutzutage erst recht?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu {on my mind} Bechdel Test und Serien

  1. extrafruity schreibt:

    Spontan fiel mir dabei diese Studie ein: http://rebeccaamoore.com/2014/05/29/university-study-on-sexism-in-bbcs-doctor-who-infographic/
    Meiner Ansicht nach sehr detailliert und interessant! Aber natürlich unfassbar viel Arbeit…

    Gefällt mir

    • Amerdale schreibt:

      Ja, Doctor Who ist da natürlich ein interessanter Sonderfall mit seinem Wechsel von RTD zu Moffat. Die Grafik ist echt interessant (gerade ihre Gedanken zu Rose und River finde ich sehr faszinierend). Wobei das für mich auch wieder die Schwachstellen des Test aufzeigt, denn obwohl Moffat Frauen wirklich nicht gut schreiben kann, ging mir Martha mit ihrer Schwärmerei für den Doctor weit mehr auf die Nerven als beispielsweise Amy (aber zugegeben mit Rory als dritte Person ergab sich eine ganz andere Doctor-Companion-Dynamik).

      Was meiner Meinung nach ebenso eine Untersuchung bei Doctor Who in Bezug auf Unterschiede zwischen RTD & Moffat wert wäre, wären die Darstellung von sexuellen Orientierungen. Ich glaub kaum, dass es ein bedeutungsloser Zufall ist, dass der pansexuelle Harkness das letzte Mal in der letzten Folge von RTD auftauchte und Moffat dafür mit Amy&Rory ein heterosexuelles Paar ziemlich in den Mittelpunkt stellte.

      Gefällt mir

  2. Firyar schreibt:

    Ich finde solche Test schwierig irgendwie. Einerseits zeigen sie natürlich ein Problem auf, andererseits wirken sie auf mich so „erzwungen“ a la Her mit den Frauen, die sich von Lampen unterscheiden!

    Es nervt mich ja schon in US-Filmen/Serien, dass es immer den Quotenschwarzen und die Quotenlatina gibt. Va. in Polizeiserien gibts ja gefühlt kaum noch weiße Vorgesetzte o_O Das entspricht, vermute ich mal, absolut nicht der Realität. Es wirkt auf mich einfach so erzwungen….während es zb. bei Sleepy Hollow eher so scheint, als ob man die Rolle der Polizistin (Namen vergessen^^) einfach gut besetzen wollte, ohne jetzt spezifisch nach einer Hautfarbe zu gehen. Auch wenn es natürlich aus historischen Gründen interessanter ist, einem Zeitreisenden eine Schwarze an die Seite zu stellen.

    Jedenfalls denke ich nicht, dass es bei Serien/Filmen damit getan ist, dass die Frauen mal über was anderes reden. Sie bleiben letztendlich in ihren Klischeerollen (ganz gutes Beispiel ist da mMn The Big Bang Theory – zwei kluge Frauen führt man ein und lässt sie wie die letzten Vollidioten dastehen). Schaut man da zurück auf Friends – da fand ich die Geschlechter sehr „ausgelichen“ und halbswegs klischeefrei.
    Und schaut man sich heute um, da fällt mir Orphan Black ein. Das einzige, was am Geschlecht halbwegs relevant ist, ist die Sache mit der Unfruchtbarkeit der Frauen. Ansonsten sind die Klone recht neutral. Und hier sehe ich den Knackpunkt: ist die Rolle unabhängig von Geschlechterklischees, könnte sie genauso gut von Mann und Frau gespielt werden? Ich sag ja nicht, dass ALLE Frauenrollen neutral sein sollen, aber wenn es mehr neutrale Frauenrollen gäbe, wäre das schon super. Wie man das in einen einfachen Test zusammenfassen kann, weiß ich nicht so genau…“Ist die Rolle neutral?“ klingt irgendwie doof.

    Bisher taten sich auch va. Männer schwer damit zu verstehen, was ich meine, wenn ich sage das Frauenrollen nicht neutral sind, während es bei Männern meistens so ist.

    Gefällt mir

    • Amerdale schreibt:

      Klar, es ist doof und auch ineffektiv, wenn Minderheiten (egal ob Geschlecht, Sexualität, Rasse) nur gecastet werden, damit ne Quote erfüllt wird und nicht weil es das optimale für diese Rolle ist. Ist ja das gleiche Problem bei der Diskussion um Frauenquote in Aufsichtsräten etc. Und ich denke es ist auch völlig falsch bzw. man merkt es dem Endprodukt an, wenn Serien/Filme von Anfang an in Writing/Casting darauf ausgerichtet sind solche Tests zu bestehen, eben für alle möglichen Problematiken. Das wirkt dann eben oft so gekünstelt.

      Du hast recht, was wir eigentlich bräuchten wären neutrale Rollen und da gibt es echt zu wenig, was das erfüllt. Aber das dann zu testen, wird wahrscheinlich völlig unmöglich und wohl auch ein Stück subjektiv. Nur als Beispiel: Wie neutral ist Larry (ugh Larry xD) in OITNB? Die Rolle könnte auch weiblich sein, ohne dass sich vordergründig was ändert, aber es hätte einen großen Einfluß darauf, wie Piper und ihre Beziehung zu Alex bzw. die Dreiecksbeziehung Larry-Piper-Alex gesehen werden würden, denke ich.

      Die Tage bin ich da auch über einen interessanten Artikel zu Orphan Black gestoßen, der auch gut zur Thematik passt: „Why Is Orphan Black Still Fighting a War Buffy Should Have Won Over 10 Years Ago?“ http://www.vanityfair.com/vf-hollywood/orphan-black-fighting-buffy-war?mbid=social_twitter

      Gefällt mir

      • Firyar schreibt:

        Ja, es ist natürlich schwer, die Neutralität einer Rolle einzuschätzen. Va. wenn es eben sehr relevant ist, welches Geschlecht jemand hat, wie bei der Larry-Piper-Alex Beziehung. Es wäre natürlich um einiges anders, wenn Larry eine Frau wäre.
        Das mit der Neutralität funktioniert dann wohl eher in Settings, wo die Beziehungsebenen nicht so im Vordergrund stehen. Zb. alle Superhelden- und Actionfilme. Und diese typischen Männerfilme sind ja auch noch die Domäne, wo Frauen extrem kurz kommen. Dabei funktioniert es ja zb. im Sci-Fi-Setting in Orphan Black prima. Da sollte die Filmindustrie sich auch mal trauen mit einem weiblichen Superhelden.

        Gefällt mir

        • Amerdale schreibt:

          Ich glaub es ist allgemein in Filmen einfacher neutrale Charaktere darzustellen (also wenn man denn wollen würde, wäre es einfacher xD) als in Serien. Eben gerade weil die Beziehungen aufgrund der geringeren Laufzeit einfacher oberflächlicher bleiben und es daher leichter ist. Wobei ich aber Zweifel hab, dass selbst, wenn es mal einen weiblichen Superhelden geben sollte – Wonder Woman ist wohl die wahrscheinlichste – das eine positive Figur geben wird. Allein wenn ich an Wonder Womans typisches Outfit denke ist das ja hochsexualisiert.

          Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s