{Gesehen} Headhunters

Headhunters-Review

Worum geht es:
Roger Brown ist einer der erfolgreichsten Headhunter Norwegens. Doch das reicht nicht aus um sein Designerhaus abzuzahlen und die Galerie seiner Frau Diana zu finanzieren. Und so verlegt sich Roger darauf die Kunstwerke seiner Klienten zu stehlen und alles läuft blendend, bis Clas Greve, ehemaliger Elite-Soldat und spezialisiert auf das Aufspüren von Menschen, auftaucht. Und ein seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenes Gemälde besitzt – die Lösung für Browns Geldprobleme? Doch der Diebstahl klappt nicht wie geplant und auf einmal ist Brown auf der Flucht. Doch wo und wie versteckt man sich vor jemand, dessen Beruf es war im dichten Dschungel Drogendealer zu finden?

Trailer (Youtube)

Wer spielt mit:
Nikolaj Coster-Waldau (Game of Thrones) als Clas Greve, Aksel Hennie als Roger Brown, Synnøve Macody Lund als Diana Brown, Eivind Sander (Lilyhammer) als Ole Kjikerud, Julie R. Ølgaard (The Killing) als Lotte

Wie gefällt es:
Ich hab mich gut unterhalten gefühlt, obwohl ich durch die Buchvorlage – an die sich der Film erstaunlich eng hält – schon wusste, was passiert. Es ist ein schwarzhumoriger Thriller mit vielen Actionszenen und einigen verblüffenden Wendungen. Roger und Clas bei ihrem Katz-und-Maus-Spiel zu beobachten ist höchst amüsant und Rogers Kreativität mit der sich aus scheinbar ausweglosen Situationen befreien kann ist faszinierend.

Besonderes Lob verdienen dabei die schauspielerischen Leistungen von Nikolaj Coster-Waldau und besonders Aksel Hennie, die ihre jeweiligen Rollen sehr überzeugend spielen. Gerade die Wandlung Rogers vom arroganten Headhunter, der alles unter Kontrolle hin zu jemandem, der auf der Flucht und verzweifelt ist und mehr reagiert als agiert, ist hervorragend dargestellt. Wirklich schade, dass Hennie zumindest außerhalb Norwegens keine größere Bekanntheit hat, verdient wäre es, seiner Leistung hier nach zu urteilen, auf jeden Fall.
Die weiblichen Rollen dagegen sind leider nur Randfiguren und bleiben etwas eindimensional. Gerade mit Lotte konnte ich wirklich nichts anfangen, da ihr unterwürfiges Verhalten gegenüber Roger (und off-screen auch gegenüber Clas) nie wirklich erklärt wird. Und Diana wirkte auf mich zu naiv im Umgang mit Roger.

Überhaupt mir fehlte etwas jemand, der auch nur halbwegs sympathisch war. Die männlichen Figuren waren alle egozentrische Arschlöcher und die Frauen total naiv. Was dazu führte, dass mir auch ziemlich egal war, wer nun stirbt oder nicht. Es war zwar durchaus interessant zu sehen, wie es nach einer kniffligen Situation weitergeht, aber meine Gedanken gingen nie in die Richtung „Oh bitte, stirb nicht“.
Und Rogers Entwicklung überzeugt einfach nicht. Er ist am Anfang des Films so ein Manager-Typ: den ganzen Tag am Schreibtisch sitzend oder in Meetings. Zwar etwas Sport (Squash! Ich bin der Sportart nur in Serien & Filmen begegnet, aber noch nie jemanden, der das wirklich betreibt xD) in der Freizeit und auch etwas Bewegung bei seinen Kunstdiebstählen, aber nichts weltbewegendes. Und dieser Mensch soll dann ohne großartige Probleme physisch und psychisch mit Ausnahmesituation nach Ausnahmesituation klar kommen und (zumindest zeitweise) gegen einen Elite-Soldaten die Oberhand behalten? Das überzeugt mich einfach nicht.

So bleibt es bei einem unterhaltsamen, aber oberflächlichen Film, der zwar anfangs mehr Tiefe verspricht – gerade das Voice-Over am Anfang mit dem sich Roger dem Zuschauer vorstellt, fand ich gut gelungen – aber dies im weiteren Verlauf zugunsten von Action und einer Anhäufung von Twists aufgibt.

3 Sterne - klein

Auch wenn die Wertung am Ende die gleiche ist wie bei dem Buch, so hat mir der Film doch etwas besser gefallen. Was aber vor allem daran liegt, dass ich bei Filmen weniger die Entwicklung eines Charakters hinterfrage, sondern einfach hinnehmen, auch wenn mir bewußt ist, wie unrealistisch es ist. Wenn man mal anfängt darüber nachzudenken, fällt die Handlung schnell auseinander, aber während des Schauens lässt er sich gut genießen.

Bechdel Test: 1/3 Punkten erfüllt
1) es gibt zwei namentlich eingeführte Frauen: Ja, Lotte & Diana
2) die sich miteinander unterhalten: Nein, sie haben keine gemeinsame Szene
3) über etwas anderes als einen Mann: —

Dieser Beitrag wurde unter Filme abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu {Gesehen} Headhunters

  1. Miss Booleana schreibt:

    Finde ich cool, dass du den Bechdel-Test mit aufführst. :)

    Liken

    • Amerdale schreibt:

      Es war mir beim Schauen des Films irgendwann bewusst geworden, dass es bis zu dem Moment keine Szene gab, in der zwei Frauen zu sehen waren. Und ab da hab ich dann mal ganz bewusst drauf geachtet und beim Schreiben der Kritik dachte ich dann, ich könnte es ja auch mit aufführen, wenn es mir schon selbst so auffällt. Und irgendwie ist es ja schon ne interessante Info. Wenn ich dran denke, werde ich es zukünftig wohl immer dazu schreiben.

      Liken

      • Miss Booleana schreibt:

        Finde ich sehr löblich ;)
        Die Filmbranche (und viele andere) ist leider nicht gut zu freuen und findet das, was man über Frauen zu berichten hat, wohl langweilig. Entweder nur Drama oder nur Sex and the City. Kann nicht schaden, wenn Leute den Bechdel-Test kennenlernen und wenn man mal beobachtet wieviele Filme durchfallen…

        Liken

  2. Pingback: {Blogparade} Buch vs. Film | Mind Palace

Schreibe eine Antwort zu Amerdale Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.