{Gelesen} Kathy Reichs: Tote lügen nicht

Tote lügen nicht

Originaltitel: Déja Dead
Taschenbuch, 538 Seiten
Blanvalet, 2000
ISBN: 978-3-442-35226-5
Temperance Brennan #1
Goodreads

Beschreibung:
Tempe Brennan hat einen Knochenjob. Als forensische Anthropologin am gerichtsmedizinischen Institut von Montreal landen tagtäglich die unterschiedlichsten Leichen auf ihrem Labortisch. Doch als sie einem Serienmörder auf die Spur kommt, wird es auch für sie selbst gefährlich.

Meine Meinung:
Unerwartet aber sehr schön fand ich, dass die Ermittlungen zu den Morden sich wirklich über Monate hinweg entwickelten und nur langsam zum Ergebnis führten. Natürlich wurde da zeitlich viel übersprungen oder in wenigen Sätzen zusammengefasst, um Spannung und Lesefluss zu erhalten, aber es wirkte erfrischend realistisch.

Leider war das aber auch der einzige Punkt, der für mich wirklich positiv war und den Roman von anderen seiner Art abhebt.
In einem anderen Punkt dagegen teilt das Buch eine Schwäche vieler Krimis / Thriller, die mich zunehmend nervt. Und zwar, dass der Ermittler nicht einfach nur so vor sich hin ermittelt, sondern irgendwie persönlich von der Tat betroffen ist. Sei es, wie hier, weil Brennan selbst zum Ziel wird, oder ein persönliches Trauma aus der Vergangenheit heraufbeschwört wird, etc. Und ich versteh einfach nicht, wieso. Vor allem bei Reihen wird es für mich irgendwann total unglaubwürdig, wenn es bei jedem einzelne Band so ist. Und wenn ich mir die Beschreibung für den zweiten Band dieser Reihe durchlese („auf einmal ist sie selbst in Gefahr“ / „geheimnisvolle Sekte in Tempes alter Heimat“) scheint es hier auch nicht anders zu sein?

Genauso, wie der Ermittler natürlich seelisch an etwas zerbrochen sein muss und/oder (trockener) Alkoholiker oder von sonst irgendwas abhängig war/ist. Ganz zu schweigen von mindestens einer unglücklichen Beziehung, die hässlich geendet hat.
Warum können scheinbar in der Krimi-Literatur Ermittler nicht mehr nur das sein – stinknormale Menschen mit einem Job, ohne diese enge Verknüpfung von Fall und Privatleben? Ist das nicht dramatisch genug? Mich ödet dieser Trend jedenfalls an.

Kleinere Kritikpunkte waren ansonsten der Einsatz von mir viel zu vielen französischen Begriffen und Redewendungen. Allerdings mag ich die Sprache auch überhaupt nicht. Und bei dem Handlungsort ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, ich hatte es mir vorher nur nicht klar gemacht. Und es war irritierend, wenn Personen sich plötzlich irgendwo allein wiederfanden und verzweifelt waren, weil es keine Möglichkeit gab jemanden zu kontaktieren und ich dann nur dachte „nutz doch dein Handy, Doofie“, bis mir einfiel, dass der Roman in 1994 spielt und da noch nicht jeder ein Handy hatte.

Insgesamt war es ein überwiegend durchschnittlicher Kriminalroman, der sich nur durch die Dauer der Ermittlungen und den Handlungsort von anderen Romanen des Genres unterscheidet. Es ist durchaus spannend und hat mich gut unterhalten, aber wird mir wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben.

3 Sterne - klein

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4 Antworten zu {Gelesen} Kathy Reichs: Tote lügen nicht

  1. Miss Booleana schreibt:

    Oh interessant. Ich war immer etwas erstaunt, dass man überall hört, dass die Romane so extrem beliebt und bekannt sind und die Serie scheint ja auch so ein Endlos-Ding zu sein. (Gibt es dafür denn wirklich sooo viiieeeleee literarische Vorlagen? Fällt mir schwer zu glauben.) Ich kenne auch nur die Serie und empfand die immer als sehr unrealistisch und habe mich gefragt, wo der Hype herkommt. Ich lerne immer dazu …

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    • Amerdale schreibt:

      Ich glaub, die Bücher sprechen den durchschnittlichen Krimi-Leser schon an. Ist wie bei den Krimi-Serien im Fernsehen: Ich frag mich da auch immer, was an CSI und NCIS und so weiter so toll sein soll, dass die auch nach Dutzenden von Staffeln mit immer dem gleichen wöchentlichen Plot noch wahnsinnige Einschaltquoten haben. Reichs Bücher sind zu den Serien irgendwie das geschriebene Äquivalent und haben wohl eine ähnliche Zielgruppe – zu der ich bloß nicht gehöre.

      Die Serie und die Bücher haben meines Wissens fast nur den Namen und Beruf der Hauptfigur gemein. Also etwas ausführlicher: Im Buch arbeitet Tempe allein und in Montreal, in der Serie in Washington (?) und leitet ein ganzes Team. Im Buch hat sie nen Ex-Mann, Kind, Katze und Schwester (die bestimmt alle in den kommenden Fällen mindestens einmal in Todesnot geraten xD) und ist trockene Alkoholikerin, in der Serie hat sie nen kriminellen Bruder und Vater und kaum social skills. Und so weiter xD

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      • Miss Booleana schreibt:

        Also bei CSI war ich auch bei der ersten Staffel und beim ersten Ableger noch relativ begeistert, weil es irgendwie neu und smart und modern gemacht war. Aber wie das eben so ist, wenn man zu extrem auf der Erfolgswelle herumreitet, wirds langweilig und kommt dröge und einfallslos rüber. Bei NCIS bin ich sogar ziemlich lange dabei geblieben, kenne 5 Staffeln oder so – aber das lag mehr an den genialen Charakteren. Bones ist mir als Serie dem ganzen Schmus einfach zu ähnlich.

        Also die UNterschiede zwischen Buch und Serie finde ich da ja schon ziemlich krass. :-/ Und da ist Reichs selber Produzentin der Serie??? Also ich würde mich wohl eher ärgern, wenn man mein Universum abändert und fände das wohl nicht so toll. Da würde ich ihr ja fast unterstellen, dass sie Kohle wittert … aber wer weiß das schon … wie siehst du das?

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        • Amerdale schreibt:

          Das ist schon irgendwie seltsam mit Reichs Position bei der Serie. Aber um mir genauer Gedanken zu machen, interessieren mich beide Versionen eigentlich zu wenig xD Und selbst wenn es ihr nur ums Geld geht, warum auch nicht…

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