{Gelesen} Alice Peterson: Regenbogenträume

Regenbogenträume

Originaltitel: Look the world in the eye
Taschenbuch, 363 Seiten
Bastei Lübbe, 2006
ISBN: 978-3-404-15606-1
Goodreads

Beschreibung:
Katie scheint alles zu haben, was man sich nur wünschen kann. Doch eines Tages holt das wahre Leben sie ein. Ihre Eltern bitten sie, ihre jüngere Schwester Isabel für zwei Wochen zu sich zu nehmen. Aber Isabel ist anders…
Sie passt nicht in Katies perfekte Welt. Denn Isabel hatte nicht das Glück gesund auf die Welt zu kommen. Katie ist vollkommen überfordert. Durch Isabels Besuch wird ihr Alltag zur Achterbahnfahrt, und Katie beschleicht allmählich ein schrecklicher Verdacht.

Meine Meinung:
Ich hab vor Jahren von der Autorin „Engelspfade“ gelesen und war begeistert. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen auch hier und leider wurden sie nur zum Teil erfüllt.

Bei dem Lesen der ersten Hälfte des Buches war ich mehrmals so frustriert, dass ich das Buch am liebsten gegen die Wand geschmissen hätte. Mir tat Katie furchtbar leid und ich war stellvertretend für sie so wütend auf ihre Eltern. Zum einen sind da die Flashbacks in ihre Vergangenheit, in der sie von ihren Eltern vernachlässigt wurde bis zu dem Punkt, dass Katie die Aussage der Babysitter habe sie körperlich misshandelt nicht geglaubt und sie als Lügnerin bezeichnet. Und zum anderen die Erwartungshaltung in der Gegenwart: Katie, die erfolgreich ein Geschäft führt, das sehr viel von ihrer Zeit beansprucht, soll einfach mal so ihre Schwester bei sich für zwei Wochen aufnehmen. Katies Wünsche und ihre Lebenssituation werden einfach ignoriert und Isabels Bedürfnissen untergeordnet, als wäre das eine Selbstverständlichkeit. Kein Wunder, dass Katie den Kontakt zu ihrer Familie auf ein Minimum begrenzt.

In der zweiten Hälfte wird es besser und die Darstellung der Eltern dort machte sie auch wieder etwas sympathischer und ihr Verhalten – zumindest in der Gegenwart – wird auch verständlicher. Überhaupt war da die Familie viel besser und interessanter.

Dafür aber erzeugte Katies Liebesleben nur noch genervtes Kopfschütteln, weil es so kitschig-klischeehaft wurde. Beziehung geht in die Brüche (der Part war noch nachvollziehbar), sie fängt eine Beziehung mit dem ersten verfügbaren Typen an, es gibt Missverständnisse, die durch ein simples 3-Minuten-Gespräch geklärt werden könnten, aber keiner redet mit dem anderen, statt dessen wird geschmollt und einander ausgewichen. Moah nee, es nervt. Und passt nicht zu Katie, wie sie sich sonst verhält.

Was die Autorin aber super hinbekommen hat war die Beziehung zwischen Katie und ihrer Schwester Isabel, die in dem Buch eine tolle Wandlung durchmacht. Es ist ein wunderschönes Plädoyer dafür, Personen nicht auszugrenzen, nur weil sie auf irgendeine Weise anders sind und aus der Norm fallen. Aber gleichzeitig wird Katie, die anfangs völlig überfordert von Isabells Behinderung ist und sozusagen das „Problem“ am liebsten ignorieren würde, bis es sich von selbst löst, nie wirklich negativ dargestellt, sondern ihr Verhalten zwar als nicht gerade wünschenswert und positiv für alle Beteiligten aufgezeigt, aber nie verurteilt. Es ist wirklich schön zu lesen, wie sich da von Ablehnung über Duldung und Akzeptanz so langsam ein Verständnis und eine Freundschaft bildet.
Aber nicht nur Katie – aus deren Sicht erzählt wird, deshalb ist ihre Wandlung für den Leser am stärksten erleb- und fühlbar – ändert ihre Perspektive auf ihre Schwester, auch Isabel, die bisher ihre Schwester um ihr einfaches, ’normales‘ Leben beneidete, muss in der gemeinsamen Zeit erkennen, dass dem gar nicht so ist.

Insgesamt behandelt das Buch ein tolles und zweifelsohne wichtiges Thema, und an sich auch sehr realistisch und einfühlsam, aber stellenweise geht es in zu viel anderem Familien- und Liebesdrama unter. Da war mir einfach zu viel reingepackt.

3 Sterne - klein

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