{Gelesen} Chuck Palahniuk: Bonsai

Bonsai

Originaltitel: Pygmy
Taschenbuch, 255 Seiten
Goldmann, 2012
ISBN: 978-3-442-47523-0
Goodreads

Beschreibung:
Agent Nr. 67 ist ein jugendlicher Schläfer. Als Austauschschüler getarnt reist er in die USA, um das verderbte westliche System zu vernichten. Seine Gastfamilie hasst er von Anfang an heiß  und innig, vor allem seinen Gastbruder, der dem schmächtigen Neuankömmling den Spitznamen Bonsai verpasst. Doch bald muss er merken, dass es nicht immer leicht ist, zu seinen Überzeugungen zu stehen. Denn Schweinehundbruder hat auch eine Schwester, die die Pläne von Agent Nr. 67 etwas durcheinander bringt.

Meine Meinung:
Das erste, was einem auffällt, wenn man auch nur die erste Seite liest, ist der Stil des Buches. Denn das Buch ist in einem völlig verstümmelten, grammatisch vollkommen falschen, ‚pseudo-einfachen‘ Deutsch geschrieben. Ein Beispiel:
„Alle müssen singen Unsinn oder kein Zugang zu College, keine Physik und Ausbildung. Mit Zwang vorgeschrieben zu singen, wie sehnen nach Ort oben auf gebogene Spektrum von Lichtwellen bewirkt durch Niederschlag. (…) Wenn nicht singen, alle Jugend verdammt zu Armut. Versagung von mögliche Weiterkommen und Selbsterkenntnis.“ (S. 53)

Und es ist zum einen furchtbar anstrengend zu lesen, auch weil Palahniuk Gegenstände oftmals nicht benennt, sondern beschreibt und zum anderen erschließt sich mir der Sinn hinter der Wahl dieses Stils einfach nicht.

Ich vermute zwar der Autor wollte damit verdeutlichen wie fremd dem Agenten (der keinen Namen hat, sondern sich als Erzähler nur als Agent Ich bezeichnet) die Sprache und Gewohnheiten der USA sind. Aber zum einen wird nie in der Handlung angedeutet, dass der Junge Probleme mit der Sprache hat (er gehört im Gegenteil zu den Besten eines Buchstabierwettbewerbs) und zum anderen entspricht in dem Buch jedes Kapitel einem Bericht des Agenten an seine Vorgesetzten über seine Erlebnisse. Und es macht für mich keinen Sinn, warum er diese Berichte in einem gebrochenen Englisch (bzw. in der deutschen Fassung eben Deutsch) abfassen sollte, statt in der – sowohl für ihn als auch für den Empfänger – Muttersprache. Dazu kommt, dass einige der Berichte ausschließlich Rückblicke auf die Erziehung und Ausbildung des Agenten sind und da fragte ich mich, warum er da seinen Vorgesetzten seitenlange Berichte über etwas schreibt, dass sie aus seiner Akte schon längst wissen müsste. Klar, weil es bei der Erzählform der einzige Weg ist, dem Leser die Hintergrundgeschichte des Protagonisten zu vermitteln, aber es passt nicht zusammen. Meiner Meinung nach hat Palahniuk da sein System nicht richtig durchdacht und die Widersprüche störten mich total und die Grammatik lässt es einfach nicht zu dass man die Handlung wirklich genießen kann, weil man Absätze vier-, fünfmal lesen muss um sie überhaupt zu verstehen.

Auch wenn ich gleichzeitig Respekt davor habe, dass er diesen Stil für 250 Seiten konsequent durchgehalten hat, was bestimmt nicht einfach war. Aber Spaß macht es beim Lesen trotzdem nicht. Und das ist doof, denn gerade der Stil war eines der Dinge, die mich bisher an den Bücher von Chuck Palahniuk so begeistert hatten. Und dazu geführt hat, dass ich dieses Buch gekauft hab, ohne vorher mal reinzulesen. Äh ja, Lektion gelernt.

Inhaltlich dagegen fand ich die Idee gar nicht schlecht und Palahniuk nutzt sie auch gut um Kritik an der amerikanischen / westlichen Lebensweise zu üben. Leider drifftet er aber auch hier schnell ins sexuell-obszön-vulgäre und übertriebene Klischees ab. Ich brauch keine ganze Seite, die nur eine Aufzählung der verschiedensten herabsetzenden Bezeichnungen für Brüste ist. Wirklich nicht. Und es ist auch vollkommen unnötig für die Handlung und schreckt mich nur noch mehr ab.

Absolut nicht, was ich mir von dem Buch erhofft hatte. Die paar guten Ansätze gehen einfach völlig unter in dem gebrochen Deutsch. Ich werde mich zwar bestimmt noch lange an das Buch erinnern können, aber nicht wegen des Inhalts. Und das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

2 Sterne - klein

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