{Gelesen} Wilbur Smith: Der Stolz des Nubiers

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Originaltitel: The Triumph of the sun
Hardcover, 752 Seiten
Weltbild
Courtney Family Adventure #12Ballantyne Novels #5
Goodreads

Beschreibung:
Nordostafrika im Jahr 1884: Der Anführer der sudanesischen Stammesfürsten, der charismatische Mahdi ( der „Erwartete“), hat zur Rebellion aufgerufen und belagert die Hauptstadt Khartum, um das brutale osmanisch-ägyptische Regime zu stürzen. Als die Lage sich zuspitzt, greift die britische Kolonialmacht in den Konflikt ein, um unschuldige Landsleute aus der Stadt zu retten. Auch der Abenteurer Ryder Cortney und Penrod Ballantyne, Hauptmann der Husaren, sind dort gefangen und verbünden sich gegen die erbarmungslose Übermacht. An den Ufern des Nils entbrennt ein erbitterter Befreiungskampf.

Meine Meinung:
Das Buch ist sowohl der vierzehnte Band einer Reihe als auch der fünfte einer anderen und so das verbindende Element für beide. Wie ich erfahren durfte, nachdem ich angefangen habe zu lesen. Aber zum Glück merkt man der Handlung absolut nicht an, dass das Buch Teil von gleich zwei Reihen ist; es könnte genauso gut ein Stand-alone sein, mit sehr geschlossenem Ende.

Die Belagerung von Khartun ist sehr fesselnd und eindringlich aus der Sicht der Familie des britischen Generalkonsuls, vor allem seiner ältesten Tochter Rebecca, geschildert. Und ihrer zwei Verehrer, was für genug Liebesdramatik sorgt, so dass es manchmal auch mehr von einer Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund als einem ‚richtigen‘ historischen Roman hatte. Aber das waren nur einzelne Kapitel. Und es war unterhaltsam. Zwar klischeehaft, oh Gott, der ganze Liebeskram ist voller Kitsch und Klischees, wie zum Beispiel: einer der beiden Verehrer (ich kann nicht mal sagen welcher) steht spätabends unter ihrem Balkon und schaut Rebecca beim ausführlichen Kämmen ihrer Haare zu. Wozu diese vorher extra eng geschnittenes Nachthemd angezogen hat und sich auf die Brüstung gesetzt hat. Bin immer noch etwas enttäuscht, dass der Verehrer nicht spontan angefangen hat Geige zu spielen und Liebeslieder zu singen. Ja, okay xD
Aber trotz allem hat es wirklich Spaß gemacht es zu lesen, wohl auch wegen Saffron und Amber, die jüngeren Zwillingsschwestern von Rebecca, die gerade am Anfang der Pubertät stehen und jeweils für in einen von Rebeccas Verehrern schwärmen (nennt man das dann Liebes-Fünfeck?). Dabei nehmen sie aber herrlich erfrischend kein Blatt vor den Mund, was ihre Gefühle und Meinungen über die verschiedensten Personen angeht und sind einfach großartig. Die beiden sind meine Lieblinge des ganzen Buches.

Aber auch die historischen Anteile sind nicht schlecht. Zum einen ist der Mahdisten-Aufstand und die Belagerung von Khartun nicht gerade ein Thema, das mir schon in vielen Büchern begegnet ist und das macht es natürlich interessant. Und Smith schildert die Belagerung auch wirklich sehr gut mit all ihren Folgen. Und auch die anderen Kampfszenen – es wird beispielsweise eine Wüstenschlacht geschildert, sind sehr anschaulich und lebhaft. Und lehrreich. Ich weiß jetzt einiges mehr über die Art und Weise, wie das britische Heer der damaligen Zeit kämpfte.

Aber gleichzetig gab es neben all dem auch einige Stellen, bei denen ich beim Lesen regelrecht zusammengezuckt bin. Nicht weil es so brutal wurde oder sexuell (wobei beides auch recht ausführlich und detailliert geschildert wird), sondern wegen einiger doch rassistischer Äußerungen. Soweit sie direkt von den Figuren kommen, mag es ja noch nachvollziehbar und die damalige Einstellung britischer Kolonialisten (nicht nur) in Afrika widerspiegeln. Aber auch außerhalb der direkten Wiedergabe von Gedachtem und Gesagten tauchen in dem Text immer wieder solche Anmerkungen auf. Und auch die vorkommenden Araber sind entweder nur darauf bedacht völlig ergeben dem britischen Helden auf dem Weg zum Erfolg zu helfen und dabei im Idealfall zu sterben um ihm das Leben zu retten. Oder sie sind die Bösen, die undifferenziert als als komplett sadistische, fanatische Verrückte dargestellt werden. Es wirkt einfach als hätte der Autor immer noch diese Einstellung der Kolonialisten und das nervt. Während dem Leser aber vor allem auch rückblickend. Und wird auch das sein, was mir von dem Buch am längsten in Erinnerung bleibt.

Und das Ende ist so irrsinnig süßlich, kitschig-happy. Okay, ein paar unserer Helden sind gestorben, aber die Überlebenden enden alle super-duper reich und gehören zu den erfolgreichsten Künstlern ihrer Zeit. Die besten Schriftsteller (Nobelpreisnominierungen!), die besten Maler (Picasso ist neidisch!), die beste Schauspielerin in ganz Europa, der erfolgreichste Unternehmen der Welt etc. Oh, und natürlich sind alle glücklich und in keiner der Beziehungen gibt es jemals Streit. Will sagen, es kam mir völlig übertrieben und alles andere als realistisch vor.

3 Sterne - klein

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