{Gelesen} J.R.R. Tolkien: Briefe vom Weihnachtsmann

Briefe vom Weihnachtsmann

 

Originaltitel: Letters from Father Christmas
Hardcover, 111 Seiten
Klett-Cotta, 2006
ISBN: 978-3–608-91155-8
Goodreads

Klappentext:
Jedes Jahr im Dezember traf für Tolkiens Kinder ein Umschlag mit einer Briefmarke vom Nordpol ein. Er enthielt einen handgeschriebenen Brief und eine schöne farbig ausgestaltete Zeichnung oder Skizze.
Die Briefe kamen vom Weihnachtsmann, und sie erzählen wunderbare Geschichten vom Leben am Nordpol: davon, wie sich alle Rentiere losgerissen hatten und wild herumsprangen; wie der Polarbär auf die Spitze des Nordpols kletterte und durch das Hausdach des Weihnachtsmanns mitten ins Eßzimmer plumste; wie der Mond in die Brüche ging und der Mann-im_mond in den Garten hinter dem Haus fiel; und wie Weihnachtsmann und Nordpolarbär Schlachten mit den lästigen Kobolden schlugen, die in den Höhlen unter dem Haus lebten!
Manchmal steht ein brummiger Kommentar vom Polarbären am Rand, manchmal sind die Briefe von Ilbereth, dem Elbchen und Sekretär des Weihnachtsmanns, zu Ende geführt.

Mein Eindruck:
Die Briefe, von denen viele nicht nur übersetzt sind, sondern auch das Original* abgebildet ist, sind niedlich und bilden zusammen eine schöne Geschichte für Kinder. Man merkt beim Lesen wie Tolkien Brief für Brief die Idee ausgebaut hat und neue Figuren und Details hinzugefügt hat. Diese Kreativität dahinter ist schon beeindruckend, auch wenn es nicht an die Vielfalt und Detailliertheit der Mittelerde-Universums heranreicht. Aber es sind ja auch ’nur‘ etwas über 20 Briefe, da ist gar nicht Platz für so etwas. Aber es bildet die Grundstrukturen einer tollen Welt/Geschichte mit Helden (Father Christmas und seine Freunde), bösen Gegenspieler (Kobolde) und einem exotischen Ort. Ich bin mir sicher, dass Tolkiens Kinder diese Welt auch selbst in ihrer Fantasie weiter ausgebaut haben und sich selbst Geschichten ausgedacht haben. Die Briefe laden dazu regelrecht ein.

Und die Zeichnungen* zu den Briefen sind einfach umwerfend. Also nicht mal, dass ich den Stil eigentlich sonderlich mag, aber sie sind einfach sehr gut gemacht. Ey, wie talentiert war Tolkien eigentlich in allem möglichen? Allein schon die unterschiedlichen Schreibstile der Briefe, je nachdem ob Father Christmas (zittrig), der Polarbär (dicke, ungelenke Schrift) oder ein Elb (wunderschön, elegant) sind sehr beeindruckend.

Einiges vom Inhalt der Briefe war für mich aber auch nicht ganz verständlich oder nachvollziehbar. In solchen Situationen nahmen die Briefe dann immer Bezug auf Ereignisse im Leben der Tolkien-Kinder, der eigentlichen Empfänger der Briefe. Und diese Bezüge werden nie erklärt und bleiben ein Rätsel. Was bei mir immer etwas das Gefühl weckte, heimlich in den Briefen von anderen zu stöbern, die mich nichts angehen.
Und in so Momenten wundert es mich auch überhaupt nicht, dass das Buch erst nach Tolkiens Tod von Angehörigen veröffentlicht wurde.

Außerdem ist die Übersetzung teilweise nicht gerade prickelnd – lässt sich ja gut vergleichen, wenn der Originalbrief abgebildet ist. Zum einen gehen leider einige Wortwitze verloren, was aber bei Übersetzungen wohl unvermeidlich ist, und zum anderen ist es teilweise einfach (in meinem Augen unnötig) frei übersetzt. Gerade bei den Anmerkungen und Notizen des Polarbären, der oft mit fehlerhafter Rechtschreibung und Grammatik schreibt aber das alles vollkommen korrekt übersetzt wird (zum Beispiel wird aus“Excuse thick writing I have a fat paw.“ dann „Entschuldigt die dicke Schrift; ich habe riesige Pranken“) fand ich das doch auffallend und störend.

3 Sterne - klein

*in dieser Leseprobe zu einer englischen Ausgabe sieht man ein paar Briefe und Zeichnungen

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2 Antworten zu {Gelesen} J.R.R. Tolkien: Briefe vom Weihnachtsmann

  1. Cat schreibt:

    Das ist eins der ganz wenigen Tolkien-Bücher, die ich noch nie gelesen habe. Dann greife ich wohl besser zur englischen Ausgabe… Jetzt habe ich jedenfalls doch mal richtig Lust, mir das Buch anzuschaffen. Die verschiedenen Schriften und so, das finde ich schon beeindruckend. Tolkien hat die Sache wohl sehr ernst genommen 🙂

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    • Amerdale schreibt:

      Ja, die englische Ausgabe halte ich wirklich für besser. Die Arbeit, die sich Tolkien da über die Jahre gemacht hat, ist wirklich beeindruckend und bewundernswert.

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