{on my mind} Mediennutzung im 21. Jahrhundert

Ebooks, Spotify, VoD – manchmal fragt man sich fast, ob es mit der Verbreitung von schnellen Internetverbindungen überhaupt noch einen Grund gibt irgendetwas in nicht-digitaler Form zu kaufen. Aber ist die Sache wirklich so einfach? Sind die digitalen Anbieter den Büchern und Discs wirklich in allem überlegen?

Die Thematik kam mir durch die Kommentare unter bullions Artikel zu Sony, Korea und The Interview in den Kopf und eigentlich wollte ich auch nur da kommentieren. Aber nach mehreren erfolglosen Versuchen ist mir klar geworden, dass ich a) meine Gedanken erst mal langsam sortieren muss und b) das vermutlich auch für einen Kommentar zu lang werden wird.
Ich hab festgestellt, dass es für mich große Unterschiede in meiner Einstellung gibt in Abhängigkeit davon, ob es sich um Bücher, Musik Filme/Serien oder Spiele handelt.

Das einfachste sind für mich Spiele, weil ich noch nie ein großartiger Gamer war und bis auf eine kurze Sims2-Phase eigentlich nur Brwoserspiele am PC spiele und die sind nun mal per Definition nur übers Internet spielbar. Die Möglichkeit das Spiel herunterzuladen oder zu kaufen, gibt es gar nicht, was die Entscheidung sehr vereinfacht.

Bei Musik bin ich auch recht gleichgültig. In letzter Zeit benutze ich viel Spotify und finde das ein super Angebot, weil ich auch bei vielen Künstlern (vor allem amerikanischen, deutsche sind noch nicht so vertreten habe ich den Eindruck) einfach mal so reinhören kann ohne gleich eine CD kaufen zu müssen (für Youtube gilt das gleiche, aber spotify muss bei meiner Verbindung nicht so oft buffern, warum auch immer). Ist besonders toll, wenn man in einem Film / einer Serienfolge einen Ausschnitt eines Liedes hört und es ganz hören will. Andererseits hat sich mit Taylor Swift ja schon mindestens ein großer Künstler (bei ihr ging es durch die Medien und ich kann mich erinnern, keine Ahnung ob es noch mehr sind) wieder von Spotify zurückgezogen. Das Angebot kann sich also über Nacht deutlich ändern, auch, je nach persönlichem Geschmack, zum Negativen. Was natürlich ärgerlich ist, besonders, wenn man wenn man einen kostenpflichtigen Account hat.
Aber auch sonst höre ich Musik vor allem über den Laptop/MP3-Player. Einen CD-Spieler besitze ich gar nicht mehr. Gut, das Autoradio hat ein CD-Fach, aber da kann ich auch einen USB-Stick einstöpseln und die Methode bevorzuge ich. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal Musik wirklich von einer CD gehört habe. Und überlege auch mich von den CDs, die ich noch besitze, zu trennen, sie nehmen im Endeffekt doch nur Platz weg und eine sentimentale Bindung zu ihnen habe ich nicht. Wobei ich die Lieder vorher natürlich auf eine  Festplatte (und entsprechenden Sicherungen) packen würde – womit ich sie genauso in meinem Besitz hätte, wie als greifbare Scheiben. Aber eine Festplatte braucht weniger Platz als ein Regal. Und im Gegensatz zu Streaming-Diensten wie Spotify oder auch Youtube sind sie immer noch mir und niemand kann sie plötzlich löschen oder verändern. Aber CDs sind für mich wirklich ein veraltetes Konzept.
Zukünftige Musikkäufe werden dann wohl auch direkt ein MP3-Album sein oder ich werde das Album direkt auf den PC überspielen und mich wieder von der CD trennen. Wobei ich vermute, dass spotify trotzdem meine Hauptquelle sein wird, ich aber von meinen Lieblingsmusikern digitale Alben kaufen werden, einmal um sie zu unterstützen (also mehr, so viel scheint von spotify ja nicht bei den Künstlern selbst anzukommen) und als Absicherung für mich. Außerdem hab ich dann auch bei einem Internetausfall meine Musik – ein nicht zu unterschätzender Punkt bei Streaming.

Anders sieht es für mich bei Filmen und Serien aus, obwohl man auf den ersten Blick meinen könnte, es wäre die absolut gleiche Situation. Und ich kann es selbst nicht genau erklären, aber ich kann mir nicht vorstellen, mich von meiner DVD-Sammlung zu trennen oder auch nur sie nicht mehr zu erweitern. Vielleicht liegt es daran, dass Filme so viel mehr Speicherplatz brauchen oder an den Special Features, aber ich kann mir nicht vorstellen Filme nur noch digital gespeichert zu besitzen.
Und schon gar nicht sie nur durch Streaming verfügbar zu haben. Da habe ich ja gar keinen Einfluß darauf, was mir zur Verfügung steht und was nicht. Nicht falsch verstehen, ich hab mich in den paar Monaten, seit es verfügbar ist, schon sehr an Netflix gewöhnt und weiß den Komfort zu schätzen. Aber es ist für mich eher ein Instrument um Fehlkäufe zu vermeiden und Filme erstmal günstig schauen zu können und danach zu entscheiden, ob ich sie nochmal sehen will und dementsprechend auch auf DVD haben möchte oder nicht. Dazu kommt noch, dass Streamingdienste ja meist nur eine Version eines Films haben und das ist nicht unbedingt die, die mich interessiert. Zum Beispiel wollte ich bei Sherlock von der ersten Staffel unbedingt die UK-DVDs haben, da dort die SMS auch in englisch gezeigt wurden und nicht in deutsch, wie bei den deutschen Ausgaben (ja auch wenn die Sprache englisch ist >.<).

So ähnlich geht es mir auch mit Büchern. Ich kann mir nicht vorstellen irgendwann nur noch Ebooks* zu lesen, dafür finde ich volle Bücherregale mit Büchern, denen man ansieht, dass sie gelesen wurden, viel zu schön. Und auch einfach das Gefühl ein gedrucktes Buch mit ‚richtigen‘ Seiten in der Hand zu haben und nicht nur ein einen flachen Kasten mit Technik. Auf diese Art des Lesens könnte ich nie verzichten.
Aber was mich am meisten von der Nutzung eines E-Readers abhält, sind die Preise von Ebooks. Ich seh es einfach nicht ein nahezu genauso viel für die Erlaubnis ein Buch zu lesen (denn was anderes kauft man bei Ebooks ja nicht wirklich; siehe zum Beispiel solche Vorfälle). Ein gedrucktes Buch kann ich nach dem Lesen weitergeben, wenn ich esnicht behalten will. Was mache ich mit einem Ebook, das mir nicht gefallen? Da gibt es eine solche Möglichkeit nicht und das finde ich als jemand, der vorwiegend gebrauchte Bücher liest, einen ganz bedeutenden Nachteil. Dazu kommt das komplizierte System der verschiedenen Reader. Amazon mit seinem geschlossenen System, und dann die anderen, die dafür keine E-Books von amazon anzeigen können. Gnah.
Von daher kann ich mir die Nutzung eines E-Readers für mich nur in Verbindung mit dem Ebook-Angebot meiner Bibliothek vorstellen. Gegen eine Jahresgebühr, die auf das Buch (digital und gedruckt) umgerechnet so verschwindend gering ist, kann ich da soviel ausleihen wie ich will.

*Warum hat sich eigentlich ausgerechnet bei Büchern ein extra Begriff eingebürgert? Niemand spricht bei runtegeladener Musik von Esongs….

Und wie haltet ihr das? Nutzt ihr E-Reader und wenn ja in welcher Art? Streaming-Dienste? Wie wichtig ist es euch, Filme und Bücher wirklich zu besitzen und nicht nur sehen/lesen zu dürfen?

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11 Antworten zu {on my mind} Mediennutzung im 21. Jahrhundert

  1. Sema IV schreibt:

    Erst einmal: Toller und interessanter Artikel!
    Gerade bei Musik kaufe ich dann doch öfter die CD, spotify nutze ich bis jetzt gar nicht. Bei Filmen und Serien hingegen erfreue ich mich am Angebot von Watchever und Netflix. Filme kaufe ich manchmal, Serien eher gar nicht (Ausnahme: Sherlock, ja, auch die britische Version xD), was einfach daran liegt, dass es mir zu teuer ist. Wenn ich mal wieder in Großbritannien oder Irland bin, kann ich mir aber vorstellen, dass sich das ändern wird.
    Bücher hingegen sind so eine Sache. Ich kaufe sowohl eBooks über das böse Amazon als auch Bücher über z.B. Thalia. eBooks sind einfach praktischer, weil sie weniger Platz beanspruchen und sofort verfügbar sind, aber echte Bücher können sie natürlich nicht ersetzen. Deswegen entscheide ich mich bei schönen Covern und Ausgaben häufig fürs Buch, wenn ich eine Neuerscheinung jedoch sofort lesen will oder die eBooks im Vergleich viel billiger sind, entscheide ich mich für letztere.
    Bei allem muss ich aber sagen: Ich profitiere unglaublich von Verleihsystemen. Egal, ob das jetzt Bibliotheken oder die besten Freunde sind – ich konnte nie meinen Verbrauch an Büchern, Musik und Filmen/ Serien decken, wenn ich alles bezahlen müsste.

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  2. bullion schreibt:

    Oh ja, ein extrem spannendes Thema, das man aus sehr vielen Blickrichtungen betrachten kann. Gerade auch bei Filmen fällt es mir schwer auf digitale Medien umzusteigen. Musik sehe ich noch lockerer, wenngleich ich bei meinen Lieblingsplatten auch die CDs im Regal brauche. Bücher ebenso. Nee, ich habe es nicht so mit digitalen Medien.

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    • Amerdale schreibt:

      Sehr interessanter Artikel. Dieses ‚vor dem Regal stehen‘-Gefühl liebe ich auch (und verzweifle dann regelmäßig, weil ich mich nicht entscheiden kann :D). Streaming-Dienste sind da für mich echt nur ein Mittel zum vor dem Kauf testen. Aber komplett könnten sie mir DVDs (ich hab nicht mal BluRays xD) nie ersetzen.

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  3. BuecherFaehe schreibt:

    Ich finde Spotify auch echt super, vor allem, da ich kein sehr musikaffiner Mensch bin und mal mehr und mal weniger höre und meist so querbeet. Da würde ich gar nicht wissen, welche CD da passen könnte… Und – es ist legal.

    Bei Serien und Filmen kaufe ich auch sehr, sehr selten DVDs, ich habe sogar nur 2. Das liegt auch daran, dass ich Filme und Serien eher im Free TV verfolge, wenn überhaupt.

    Bei Büchern sieht es bei mir genauso aus wie bei dir – ich liebe Bücher und daher möchte ich möglichst viele in meinem Regal haben. EBooks können zwar praktisch sein, aber einen Reader habe ich nicht und einen anschaffen möchte ich mir (vorerst) nicht. Ich kann jedoch auch gut nachvollziehen, dass eBooks nicht so viel billiger sind als Bücher – zumindest wenn man die Arbeitsstunden des Autors zugrunde legt, die müssen ja auch irgendwie in den Preis miteinfließen und nicht nur das Format, in dem es letztenende verkauft wird. Ich kann aber auch die Diskussion darüber nachvollziehen, dass ein Buch noch ganz anders weiterverwertet werden kann. Dennoch denke ich, dass die Preisunterschiede zwischen Buch und eBook gar nicht so weit auseinandergehen können.

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    • Amerdale schreibt:

      Ja, den legalen Aspekt mag ich an Spotify auch. Und das, soweit ich weiß im Gegensatz zu Youtube und ähnlichen Portalen, die Künstler auch etwas (wenn auch nicht viel) verdienen, sobald ein Lied von ihnen gehört wird.

      Ich versteh die Argumentation, was die Produktionskosten und besonders die Arbeitsleistung des Autors angeht auch und find das einerseits schon logisch aus der Sicht von Autor, Verlag und so weiter. Aber es fehlt halt das haptische Erlebnis, für das man bei gedruckten Büchern ja auch mitbezahlt, und ganz entscheidend für mich die Möglichkeit von Weiterverwertungen. Da müsste einfach irgendwas am Rechte-Management geändert werden, damit das ermöglicht wird.
      Für die Verkäuferseite kommt es kostentechnisch auf das gleiche raus, aber ich hab einfach das Gefühl, dass mir als Käufer ein ebook zum mehr oder weniger gleichen Preis weniger bietet als ein gedrucktes Buch. Und das schreckt dann ab.

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  4. An schreibt:

    Interessant – bei mir ist das wo ziemlich alles ein bisschen anders. 😀

    1. Die Musik: Spotify habe ich zwar auch runtergeladen, nutze es aber eigentlich nie, weil mich die Werbung stört und ich kein Geld dafür bezahlen will. Wenn ich Geld für Musik ausgebe, dann für etwas, dass ich wirklich sehr gerne mag, damit auch den Künstler unterstützen kann und es eben einfach habe, ohne es streamen zu müssen. CDs habe ich auch ein paar und mag sie auch gerne. Weil dadurch kann ich eben auch laut zu Hause Musik hören, ohne Stöpsel im Ohr und kann es trotzdem ja auch auf meinen Laptop draufziehen und von dort aus auf mein Handy. Digital habe ich aber auch schon Musik gekauft.

    2. Filme und Serien: Ich besitze kaum DVDs. Das liegt einfach daran, dass es so viel billiger ist, Filme einfach online zu leihen. Oder ich leihe es mir von jemandem aus. Das einzige, was mich daran massiv stört, ist, dass ich das Bonusmaterial nicht schauen kann. Und in Ausnahmefällen kaufe ich dann auch doch mal die DVDs, aber eigentlich nur bei Serien (weil viele Folgen, digital sehr teuer, schaue ich eher öfter mal an), z.B. bei Sherlock. Und da eben auch die Englische Version, weil – verdammt noch mal, das stört echt gewaltig, wenn man es auf Englisch sehen will und trotzdem die Texte auf Deutsch sind. -.-

    3. Bücher: Ich lese auch einige Bücher digital, weil es eben doch teilweise um einiges billiger ist und einfach praktisch. Ich habe auf meinem Tablet die Amazon-Kindle-App und die GooglePlayBooks Version, damit komme ich wunderbar klar. Man hat das Buch auch sofort, wirklich praktisch. Aber ohne echte Bücher, echtes Papier könnte ich auch nicht. Das darf nicht fehlen.
    Warum es eBook heißt? Ich nehme mal an, weil es von normalem Buch oder digitaler Datei eben doch ein großer Unterschied ist – bei Liedern/Filmen/… macht es ja nun keinen großen Unterschied, woher man es hat, ob CD/DVD oder digital, das Ergebnis ist ja doch dasselbe.

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