{Gelesen} Birgit Dankert: Astrid Lindgren – Eine lebenslange Kindheit

Astrid Lindgren

 

Hardcover, 318 Seiten
LambertSchneider, 2013
ISBN: 978-3-650-25526-6
Goodreads

Klappentext:
Astrid Lindgren war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Doch der Erfolg ihrer Bücher und die zahllosen Ehrungen, die ihr zuteil wurden, drohen den Blick auf Leben und Werk dieser außergewöhnlichen Frau zu verstellen. Ein gutes Jahrzehnt nach dem Tod der weltberühmten Autorin legt die Kinderbuch-Expertin Birgit Dankert nun eine aktuelle Biographie vor. Sie zeigt ein differenziertes Bild Astrid Lindgrens, die Trost und Zuversicht in ihren literarischen Entwürfen einer glücklichen Kindheit suchte und lebenslang für Kinderrechte, Frieden und Gerechtigkeit eintrat.

Mein Eindruck:
Meine lebenslange Begeisterung für die Bücher der Autorin dürfte wohl jedem aufgefallen sein, der den Blog schon länger verfolgt. Und mit der Zeit wuchs dann auch mein Interesse an der Person hinter den Büchern. Kleine, zusammenhanglose Bruchstücke hab ich zwar auch schon vorher hier und dort aufgeschnappt, aber eine Biografie die ihr Leben und Werk komplett beleuchtet, ist doch etwas anderes.

Und in dem Sinne hat das Buch auch nicht enttäuscht. Die Autorin beleuchtet das Leben Astrid Lindgrens von der Geburt bis zu ihrem Tod, wobei der Schwerpunkt auf ihrem beruflichem Leben und Werken liegt. Auf Privates wird zwar auch eingegangen, aber immer unter dem Blickwinkel, wie es sich auf ihre Arbeit ausgewirkt hat und auch die Bücher möglicherweise beeinflußt hat. Das fand ich sehr gut gemacht.

Es ist voller Informationen und auch sehr angenehm zu lesen. Was mich etwas störte, war allerdings wie sehr auf ihre Werke und deren Veröffentlichung in Deutschland eingegangen wird. Da wird fast mehr über Publikationen des Oetinger Verlages geschrieben als über die ursprünglichen schwedischen. Was an sich ja noch okay wäre, aber alle anderen Ländern werden gesammelt in ein paar kurzen Sätzen abgehandelt und es wird kaum darauf eingegangen, wie dort die Bücher aufgenommen wurden. Da fehlte mir etwas der Ausgleich. Dafür fand ich es aber sehr gelungen, wie die Autorin die Bücher in Bezug zu Lindgrens Leben stellte – das beispielsweise die Bullerbü-Bücher eine idealisierte Darstellung ihrer Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof sind und Madita und ihre Familie sich an dem Leben einer Schulfreund orientierte. Das gibt den Büchern für mich nochmal eine völlige neue, zusätzliche Dimension.

Das Buch wird als umfassende Neubewertung beworben, was ich nicht beurteilen kann, weil mir der Vergleich mit  anderen Biografien fehlt. Aber es widerspricht nirgends den von mir schon vorher gemerkten einzelnen Häppchen, so dass ich diese ‚Neubewertung‘ – auf die im Buch selbst auch nirgends eingegangen wird – eher als Marketing des Verlags einschätzen würde, denn als Tatsache.

Und: Die Autorin ist Astrid Lindgren nie selbst begegnet, sondern hat nur mit schon vorhandenen Materialien, unter anderem natürlich deren Bücher und veröffentlichte Briefe, aber eben auch bereits erschienene Biografien, gearbeitet. Ich weiß auch nicht genau warum, aber irgendwie stört mich das etwas.

4 Sterne - klein

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3 Antworten zu {Gelesen} Birgit Dankert: Astrid Lindgren – Eine lebenslange Kindheit

  1. Alice schreibt:

    Ich fand das nun solange interessant bis du geschrieben hast, dass die Autorin Lindgren nie begegnet ist. Mag zwar trotzdem ein interessantes Buch sein, riecht aber eher nach einer Masterarbeit. Zusammentragen von bereits veröffentlichten Sachen, Elemente rausziehen die ihre Arbeit beeinflusst haben, beleuchten… joa. Für den Schreiber selbst interessant, aber darüber hinaus finde ich sowas als Leser nur zu Recherchezwecken reizvoll 😉

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    • Amerdale schreibt:

      Masterarbeit trifft es recht gut. Es ist halt vollkommen sekundär, was ihm auch für mich etwas von dem Wert nimmt.
      Es ist durchaus noch interessant, aber gekauft hätte ich es ihm auch nie, eben auch aus dem Grund.

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  2. Birgit Dankert schreibt:

    Liebe Leserin,
    Herzlichen Dank für die ausführliche Rezension. Hier ein paar Hinweise:
    Astrid Lindgren bin ich ein paar mal begegnet und einmal mit einem längeren Gespräch auf der Buchmesse 1978 als Sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam und ich Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.B. War.
    Selbstverständlich habe ich nicht nur vorhandene Bipgraphien kompiliert, sondern im Lindgren-Archiv in der Schwedischen Nationalbibliothek Quellenstudien betrieben. Der Hinweis auf die Neubewertung ist mitnichten ein Marketing-Gag, z.B.:
    Depression als Schreibmotivation,
    Zusammenhang zwischen Frauenfreundschaften und Werkphasen,
    Erste Stockholmer Zeit kein Leidensweg.
    Zur Konzentration auf deutsche Bewertungen: ich kenne die gesamte internationale Lindgren-Literatur seit 40 Jahren. Das Buch ist für den deutschen Markt. Es gibt nirgendwo so viele, so gute, so aufschlussreiche Beiträge wie hierzulande.
    Übrigens gibt es einen ganz neuen schwedischen Dokumentarfilm, er lief bei ARTE, der meiner Sicht der Dinge folgt.
    Herzliche Grüße
    Birgit Dankert
    http://Www.birgitdankert.de

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