{Gelesen} Jodi Picoult: Die Wahrheit meines Vaters

Die Wahrheit meines Vaters

Originaltitel: Vanishing Acts
Hardcover, 535 Seiten
Piper, 2007
ISBN: 978-3-49-04886-6
Goodreads

Klappentext:
Delia Hopkins verbrachte eine glückliche Kindheit, daran bestand bisher nie ein Zweifel. Doch als eines Tages die Polizei ein schreckliches Geheimnis über ihre Familie offenbart, holt eine Vergangenheit Delia ein, von der sie nicht einmal wusste, daß es sie gab.

Meine Meinung:
Was mich immer wieder zu den Büchern von Jodi Picoult greifen lässt, ist ihr Talent komplizierte und oft auch heiß diskutierte Themen aufzugreifen und von allen Seiten zu beleuchten ohne selbst eine Wertung vorzugeben.

Und auch hier greift sie mit einem Vater, der seine eigene Tochter entführt und mit ihr am anderen Ende der USA ein neues Leben beginnt, ein sehr emotionales Thema auf. Erzählt wird die Geschichte dabei aus Sicht von Andrew, dem Vater, Delia, der Tochter, Eric, ihrem Verlobten, Elise, der Mutter, sowie Fitz, einem alten Freund Delias, erzählt.

Aber es gab in dem Buch so einiges über dass ich nur den Kopf schütteln konnte und das mir etwas das Vergnügen an der Lektüre verdorben hat. Zum einen ist es für mich einfach unverständlich warum Eric, als Delias Verlobter und zukünftiger Schweigersohn, die Verteidigung von Andrew übernehmen wollte beziehungsweise Delia auch die ganze Zeit darauf bestanden hat, dass er das Mandat behält. Es ist doch viel zu sehr in die ganze Sache verwickelt, als er das mit der notwendigen anwaltlichen Objektivität betrachten könnte. Und es wird nie eine Erklärung dafür gegeben.
Und zum anderen die Enthüllung kurz vor Ende des Buches. Ich will keine Details nennen, aber das war mir einfach zu viel des Guten. Auch weil da noch ein ganz anderes komplexes Thema aufgegriffen wird, das mit mehr Fingerspitzengefühl behandelt werden sollte.
Und dann die Handlung um die Hopi-Indianer, die noch mit eingeschoben wurde. Ich fand damit wurden es endgültig zu viele Handlungsstränge für ein Buch.

Mein größtes Problem war aber Delia, die mir nie wie eine richtige Person vorkam. Jeder findet sie wunderbar, was leider auch zu einem Liebesdreieck zwischen ihr, Eric und Fitz führt. Nur: der Leser erfährt nicht, was an ihr so toll ist. Sie ist Mutter und hat nen Hund mit dem sie vermisste Personen sucht. Das ist – abgesehen von der Entführung als Kleinkind – alles, was ich am Ende des Buches über sie weiß (und bei der Hundesache kapier ich nicht mal, wie es funktioniert. Gibt es in der USA keine Hundestaffeln bei der Polizei?). Ihre Persönlichkeit, das was sie zu einer individuellen Person macht, wurde für mich nie greifbar.

Die Thematik der Kindesentführung durch ein Elternteil wird gut behandelt – sowhl die Motive und Vorgehensweise von Andrew als auch die Folgen, die es für Elise hatte. Da kamen einige Aspekte auf, an die ich vorher nie gedacht hätte. Allerdings hatte Andrew auch ein Motiv, dass über „ich will das Kind“ hinausging. Und hier fand ich auch Delias Reaktionen sehr passend, die nie in irgendwelche Schemata gepresst oder gewertet werden. Und auch die Nebenhandlung über Alkoholismus und dessen Folgen für Angehörige wird gut dargestellt, auch wenn es gereicht hätte, dass eine Person davon betroffen ist. Zwei Personen und die vielen Parallelen in ihren Geschichten war unnötig.

Sicher noch ein lesenswerter, zum Nachdenken anregender und nicht zu vergessen auch unterhaltsamer Roman, aber doch schwächer als andere Bücher der Autorin. Kann für mich nicht mit 19 Minuten oder Beim Leben meiner Schwester mithalten.

3 Sterne - klein

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Eine Antwort zu {Gelesen} Jodi Picoult: Die Wahrheit meines Vaters

  1. Alice schreibt:

    Das sagt mir thematisch wieder sehr zu!

    Gefällt 1 Person

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