{Gelesen} Jana Seelig: Minusgefühle

Minusgefühle

Taschenbuch, 223 Seiten
Piper, 2015
ISBN: 978-3-492-06021-9
Verlagsseite
Goodreads

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Klappentext:
„Stell dich nicht so an“, „Reiß dich zusammen“, „Jeder hat mal schlechte Laune, das geht vorbei“. Jana Seelig ist jung und schön, sie hat einen großen Freundeskreis, sie liebt ihren Beruf – und sie hat Depressionen. Es gibt Tage, an denen geht gar nichts. Dann muss sie sich oft gut gemeinte Ratschläge anhören, die zeigen, wie wenig ihr Umfeld eigentlich versteht, wie es ist, wenn man nichts mehr fühlt. Hier erzählt sie die Geschichte ihrer Depression – einer Krankheit über die noch immer viel zu wenig gesprochen wird.

Meine Meinung:
Janas Buch ist eine Biografie und es ist die Beschreibung einer Krankheit und gleichzeitig doch so viel mehr. Aber vor allem ist es eins: direkt und kompromisslos. Jana nennt die Dinge bei ihrem Namen, und das lässt das Buch so herrlich frisch und ungezwungen wirken. Und es ist so unheimlich persönlich, teilweise muss es, vermute ich, doch schwergefallen sein manches zu erzählen und damit so viel von sich und seinem Leben für prinzipiell jeden freizugeben. Aber es ist ein sehr beeindruckendes Buch. Ich hab es inzwischen schon vor über eine Woche ausgelesen und denke seitdem immer mal wieder darüber nach. Und trotzdem fällt es mir schwer meine Meinung in Worte zu fassen.

Manche Passagen treffen so genau auf mein Leben zu, dass es beim Lesen fast wie ein Schlag ins Gesicht war und ich Pausen einlegen musste, weil es sich so verdammt vertraut und bekannt angefühlt hat. Und es war eine neue Erkenntnis, dass es nicht nur mir so geht. Ich mein, klar irgendwie war mir das schon etwas bewusst, aber es zu lesen, war doch anders.

Aber auch wenn die Depression natürlich eine wichtige Rolle spielt, so geht es in dem Buch weniger um die Krankheit selbst. Man erfährt so gut wie keine Informationen darüber, was die Ursachen von Depressionen sind und dergleichen. Dagegen geht es in dem Buch vielmehr um das Leben mit einer Depression. Zuerst unbehandelt und später mit Therapie und Medikamention. Und genau diesen Aspekt des Buches – wie wirkt sich eine Depression auf ganz alltägliches aus – hat mir so sehr an dem Buch gefallen.

Dagegen war ich teilweise doch etwas erschüttert, wie sehr die Nebenwirkungen der Depressionsmedikamente teilweise auf die leichte Schulter genommen werden. Es gibt eine Passage, in der ein Arzt bei ihr einen zu langsamen, manchmal aussetzenden Herzschlag feststellt. Aber zu dem Kontrolltermin deswegen geht sie nicht hin, aus Angst das Medikament müsse neu eingestellt werden. Und diese Haltung kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Was ich auch bei dem Buch doch etwas vermisst habe, ist ein kleiner Anhang mit ein paar erste Anlaufstellen für (mögliche) Betroffene und Angehörige um weitere Informationen und/oder Gesprächspartner zu finden. Klar, lässt sich das auch alles im Internet finden, aber es hätte das Buch für mich sozusagen abgerundet.

Minusgefühle mag nicht das beste Buch sein, dass ich dieses Jahr gelesen habe, aber es ist ganz klar eines der wenigen Bücher, mit deren Inhalt ich mich auch noch in Monaten gedanklich auseinandersetzen werde.

4 Sterne - klein

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Eine Antwort zu {Gelesen} Jana Seelig: Minusgefühle

  1. Alice schreibt:

    Die Medikamente sind eine ganz schwierige Sache. Vor allem, wenn man kein Vertrauen und keine Meinung mehr hat – typisch für eine Depression und die damit oft verbundenen Angststörungen. Ich wünschte mir mehr Menschen würden diese Bücher lesen um zu versuchen Betroffene zu verstehen.

    Gefällt 1 Person

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