{Gelesen} Joyce Maynard: Gute Töchter

Gute TöchterOriginaltitel: After Her
Übersetzerin: Constanze Suhr
Hardcover, 351 Seiten
HarperCollins, 2015
ISBN: 978-3-95967-006-7
Verlagsseite
Goodreads

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Klappentext:
„Wie fühlt es sich an, tot zu sein?“ Rachel hält so lange wie möglich den Atem an, liegt neben ihrer elfjährigen Schwester auf dem Berghang und beobachtet, wie die Geier über ihnen Kreise ziehen – über dem Hang, auf dem der Sunset Strangler mehrere Frauen umgebracht hat. Es ist eines der folgenschweren Spiele eines Sommers, in dem die Mädchen ihrem Dad, dem Detective, helfen und den Mörder stellen wollen – mit verhängnisvollem Ausgang. Denn sie bringen sich in höchste Gefahr und nach diesem Sommer ist nichts mehr, wie es einmal war.

Meine Meinung:
Als ich das Buch entdeckte und die Beschreibung las, fühlte ich mich direkt an die Romane von Jodi Picoult und Heather Gudenkauf erinnert, die mich meistens begeistern. Und ein ähnliches Leseerlebnis erhoffte ich mir auch hier. Aber leider hat sich dies nur teilweise erfüllt.

Zum einen war der Schwerpunkt in dem Roman anders gesetzt als ich von dem Klappentext her gedacht habe. Die Verbrechen und der Serienmörder ebenso wie die Ermittlungen der Polizei spielen eine geringere Rolle als ich erwartet habe. Dagegen steht Rachel und ihre Coming of Age-Handlung deutlich mehr im Vordergrund. Und das ist für mich etwas problematisch gewesen, denn ich hab Rachel schlicht und einfach nicht verstanden und konnte nur selten und auch nur kurzfristig einen Bezug zu ihr aufbauen.

Und wenn, empfand ich vor allem einfach nur Mitleid mit ihr. Rachel ist die Erzählerin, sie blickt als Erwachsene auf diese Ereignisse zurück und auch wenn sie versucht ihr damaliges Leben als das einen frei aufwachsenden Kindes als weitestgehend positiv zu beschreiben, so kam es doch bei mir eher als vernachlässigt an. Die Eltern sind so gut wie ständig abwesend – der Vater ausgezogen und vom Beruf vereinnahmt, die Mutter an Depressionen leidend und sich in ihrem Schlafzimmer verschanzend. So sind die Mädchen, 11 und 13 Jahre alt – gezwungen selbst für ihre Mahlzeiten zu sorgen, ihre Kleidung ist in einem mehr als schlechten Zustand. Aber sie haben die Freiheit bis spät in der Nacht herumzustreifen – in einer Gegend, in der ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Und niemand scheint sich daran zu stören. Die Nachbarn nicht, die Lehrer offensichtlich nicht, niemand.

Und auch sonst ist das Buch zu einem großen Teil mit Rachels Gedanken gefüllt, gefühlt vor allem mit der Frage warum sie noch nicht ihre Periode bekommen hat. Was an sich ja durchaus nachvollziehbar für einen Teenager ist, aber da es ständig wieder aufkommt mit den gleichen Gedankengängen, wird es mit der Zeit nervend. Wobei ich sonst vieles von ihrem Gedanken und Taten als teenagertypisches Verhalten zwar nicht unbedingt gut finde, aber sehr passend schien. Ihr Wunsch zu den ‚coolen Kids‘ zu gehören und die Opfer sie dafür bringt ebenso wie ihre erste Beziehung, fand ich sehr anschaulich und realistisch geschildert.

Was mir auch gefallen hat, war die Art, wie das Verhältnis zwischen Rachel und ihrer  Schwester dargestellt wurde. Es ist ein sehr inniges Verhältnis, was ja auch kein Wunder ist bei der Abwesenheit der Eltern. aber ich fand es großartig, wie die Schwestern für einander da waren und sich gegenseitig beistanden.

Wie gesagt, ich hatte erwartet, dass dem Serienkiller und seinen Taten beziehungsweise auch der damit verbundenen Polizeiermittlungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, aber dazu erfährt man nahezu nichts. Und die Weise, auf der die Taten am Ende aufgeklärt werden können, fand ich leider auch kaum überzeugend. Rachel wiederholt da eine Verhaltensweise aus ihrer Teenagerzeit und ich kann einfach nicht verstehen wie sie erneut (und als Erwachsener, die so etwas einfach besser einschätzen können sollte) solche Risiken eingeht, wenn es so viel andere Wege geben könnte. Und der Ausweg aus der Situation erschien mir auch nicht glaubhaft.

Es war wohl einfach nicht wirklich ein Buch für mich, ich hätte gern mehr über die Ermittlungen gelesen und weniger über Rachels pubertäre Gedanken. Aber für Fans von Coming-of-Age-Geschichten ist dies hier wohl eine gute Wahl.

3 Sterne - klein

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