{Gelesen} Kathryn Stockett: Gute Geister

Gute Geister

Originaltitel: The Help
Übersetzerin: Cornelia Holfelder-von der Tann
Hardcover, 605 Seiten
btb, 2010
ISBN: 978-3-442-75240-9
Goodreads

Klappentext:
Jackson, Mississippi, 1962: Die junge Skeeter ist frustriert. Nach dem Studium verbringt sie die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am Finger. Sehr zum Missfallen der Mutter. Doch der Mann, mit dem ihre Freundinnen sie verkuppeln wollen, ist ein hochnäsiger Snob. Und dann ist auch noch ihr schwarzes Kindermädchen, bei dem sie stets Trost fand, spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Und um diesem Ziel näher zu kommen, verbündet sie sich mit zwei Dienstmädchen, die ebenso unzufrieden sind wie sie: Aibileen zieht inzwischen das siebzehnte weiße Kind auf. Doch nach dem Unfalltod ihres einzigen Sohnes ist etwas in ihr zerbrochen. Und Minny ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Und gemeinsam beschließen die drei außergewöhnlichen Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern – in ihrer Stadt und in ihrem eigenen Leben.

Meine Meinung:
Irgendwann mitten im Lesen dieses Romans hatte ich eine Realisation. Das Buch spielt 1962!
Ich mein, ja das steht im Klappentext und sicher war mir das irgendwo in meinem Hinterkopf bewusst. Aber 1962 bedeutet auch, wer damals um die 20 war, ist jetzt zwischen 70 und 75 Jahre alt und nebenbei vermutlich noch höchst lebendig. Und ein Mensch, für den es als junger Erwachsener vollkommen verständlich war zu glauben, dass farbige Menschen per se als Überträger von Krankheiten eine Gefahr darstellen.

Diese Realisation, dass solche heutzutage als vollkommen absurd angesehene Behauptungen und Vorurteile in der Jugend von heute noch lebenden Menschen als normales Allgemeinwissen akzeptiert wurden, hat mich vollkommen aus dem Konzept geworfen und mir erst klar gemacht, wie wenig Zeit wirklich erst seit dem Ende der Rassentrennung vergangen ist und wie geschichtlich gesehen neu das alles noch ist, auch wenn es für mich eine Selbstverständlichkeit ist. Klingt vielleicht albern, aber das war wirklich ein augenöffnender Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde. Wie viel sich in diesen gerade mal etwas über 50 Jahren doch geändert hat.

Aber auch davon abgesehen, erzählt der Roman einfach eine großartige Geschichte mit tollen Protagonisten. Vor allem Skeeter war mir von Anfang an wahnsinnig sympathisch. Und Frau Stockett versteht sich einfach darauf Personen zu beschreiben. Obwohl gerade später in der Handlung viele der farbigen Hausmädchen zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen, ist es mir nie schwer gefallen sie auseinander zuhalten, weil jede ihre eigene Stimme hat.

Aber auch die gesellschaftliche Atmosphäre in Jackson ist bildlich geschildert, so dass ich keinerlei Probleme hatte mit die Kaffekränzchen der Ehefrauen und dergleichen vorzustellen. Es entsteht bei Lesen direkt ein Film im Kopf (und ich bin schon darauf gespannt ‚meinem‘ Film mit der existierenden Verfilmung zu vergleichen), und nimmt einen gefangen, bis man das Buch beendet hat.

Ein super Buch, auch wenn die Thematik es nicht immer angenehm oder leicht zu lesen macht. Dafür aber um so wichtiger. Und obwohl sie in verschiedenen Epochen spielen, hab ich mich beim Lesen öfters positiv  an To Kill a Mockingbird erinnert gefühlt. Ich kann es nur empfehlen.

5 Sterne - klein

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2 Antworten zu {Gelesen} Kathryn Stockett: Gute Geister

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