{Gelesen} Neil Gaiman: American Gods (Director’s Cut)

American Gods
Originaltitel: American Gods
Übersetzer*innen: Hannes Riffel
Taschenbuch, 671 Seiten
Eichborn, 2015
ISBN: 978-3-8479-0587-5
Goodreads

Klappentext:
Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder namens Mr. Wednesday bietet ihm einen Job an. Doch woher weiß der Fremde so viel über Shadow? Während Shadow im Auftrag Wednesdays durch die USA reist, wird ihm langsam klar: Ein Sturm zieht auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas kündigt sich an, und Shadow wird darin eine wichtige Rolle spielen.

Meine Meinung:
Bevor ich das Buch gelesen habe, wusste ich kaum was über den Inhalt. Nur, dass es sich irgendwie um ’nordische Götter in Amerika‘ dreht (übrigens nur ansatzweise korrekt) und es viele positive Reaktionen dazu gab. Und da mir Niemals-Land so gut gefallen hat und das Buch hier außerdem bald zu einer TV-Serie werden soll, wollte ich es noch schnell vorher lesen.

Und ich muss sagen am Anfang war ich etwas enttäuscht. Die schrägen Charaktere warne zwar amüsant und auch faszinierend genug um mich zum weiterlesen zu bringen, aber mir fehlte lange Zeit der Sinn der Handlung. Selbst als ich 2/3 des Buches gelesen hatte, hatte ich immer noch den Eindruck ich wäre mit dem einleitenden Vorspiel beschäftigt, dass die wirklich Handlung und der zentralen Konflikt erst noch kommen. Was natürlich nicht zu den wenigen noch kommenden Seiten gepasst hat.
Und dann kam ich an eine Stelle und oh. Auf einmal machte alles Sinn, sobald ich es aus einem anderen Blickwinkel betrachtete. Ich musste an dem Punkt wirklich erst mal das Buch zur Seite legen und über alles bisher gelesene nachdenken und es neu einsortieren.
Wirklich sehr clever konstruiert in der Hinsicht, vor allem da man es hätte schon viel früher an subtilen Andeutungen erkennen können. Und auch wenn der Weg dahin etwas mühsam war und Geduld verlangt hat, hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Was ich aber bis zum Schluß nicht verstanden habe, war die Rolle von Sam. Also nicht die mal eigentlich Sam, ihre Begegnung mit Shadow und dann das Auftauchen in Lakeside ergibt schon Sinn, aber ihre zweite mystische Bedeutung und ihre Visionen. Die konnte ich nicht in Verbindung mit dem Rest der Handlung bringen.
Ansonsten fand ich die Art der Darstellung der verschiedensten – und bei weitem nicht nur nordischen – Götter sehr interessant, eben weil Gaiman sie nicht einfach von ihrer ursprünglicher Herkunft in die USA transportiert hat ohne sonst etwas zu ändern. Stattdessen sind die Götter von Einwanderern mitgebracht worden und genauso wie diese selbst, ist eben auch ihr Glaube und die damit verbundenen Götter durch das Leben in Amerika beeinflusst und verändert worden.

Über den Inhalt möchte ich gar nicht viel sagen, denn ich denke das Buch wirkt am besten, umso weniger man vorher weiß. Von daher beschränke ich mich darauf zu sagen, dass es über weite Strecken ein Roadtrip durch die USA ist. Und Gaiman versteht sich wirklich darauf, die besuchten Orte (und oftmals real existierende Sehenswürdigkeiten) zu beschreiben und Lust auf sie zu wecken.

Ach so, es handelt sich bei der Edition, die ich gelesen habe, übrigens um den Director’s Cut. Was ne doofe Bezeichnung ist, wenn schon hätte man es Author’s Cut nennen sollen – es ist nämlich eine ungekürzte Fassung. Kann aber nicht sagen, was nun im Vergleich zu früheren Ausgaben ‚zusätzlich‘ ist.
Was ich allerdings etwas unglücklich fand, ist, dass die Namen nicht übersetzt wurden. Gut für mich persönlich hat es dank Englischkenntnisse keine Auswirkungen gehabt. Aber für jemand, der nicht weiß, dass Wednesday Mittwoch bedeutet, geht die Bedeutung des Namens dann auch komplett verloren. Andererseits sind die Namen aber auch teilweise nur schwierig oder gar nicht zu übertragen, wie beispielsweise bei Low-Key.

4 Sterne - klein

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4 Antworten zu {Gelesen} Neil Gaiman: American Gods (Director’s Cut)

  1. Miss Booleana schreibt:

    Yaaay, das ist letztes Jahr eins meiner Lieblingsbücher geworden 😀 Darum freut es ich sehr, dass es dich zumindest später auch so gefesselt hat bzw. dir gut gefallen hat. Was war denn der Moment in dem alles angefangen hat Sinn zu machen?

    Gefällt 1 Person

    • Amerdale schreibt:

      Ja genau, ab dem Moment machte das ganze Buch Sinn. Bis dorthin war es zwar interessant, aber so ohne Richtung.

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      • Miss Booleana schreibt:

        welchen Moment meinst du? Ich fands von Anfang an ziemlich gut, deswegen frage ich mich, wo du die Wende siehst.

        Gefällt 1 Person

        • Amerdale schreibt:

          Ziemlich weit hinten, im Buch die Stelle als Shadow (und mit ihm ich) realisiert hat, dass Wednesday und Odin zusammenarbeiten. Vorher gab dieser Kampf alt gegen neu für mich wenig Sinn, weil was sollte der entscheiden? Er hätte ja keinen Einfluss darauf gehabt, woran die Menschen geglaubt hätten oder nicht. Hätten die alten Götter gewonnen, hätten die Menschen deswegen ja nicht weniger an TV, Internet etc ‚geglaubt‘. Und umgekehrt.

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