{Gelesen} Sam Gasson: Gone Cat

Gone Cat
Taschenbuch, 346 Seiten
Egmont Lyx, 2016
ISBN: 978-3-7363-0157-3
Verlagsseite mit Leseprobe
Goodreads

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Klappentext:
Jim Glew ist Privatdetektiv im Ruhestand. Mit der Liebe zu seinem Beruf hat er auch seinen Sohn Bruno angesteckt, der überall Verbrechen wittert. Bruno liebt nur eins mehr, als Detektiv zu spielen, und das ist seine Katze Mildred. Zu gern würde er ihre Streifzüge durch die Hintergärten miterleben, daher bindet er ihr ein Halsband mit einer winzigen Kamera um. Eine Kamera, die plötzlich von größter Wichtigkeit ist: Als die Nachbarin brutal ermordet wird, findet die Polizei am Tatort blutige Pfotenabdrücke. Brunos Katze scheint den Täter gefilmt zu haben, ist aber seither spurlos verschwunden. Hat der Mörder sie beseitigt? Jim und Bruno stürzen sich in die Ermittlungen, fest entschlossen, Mildred – und den Täter – aufzuspüren.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist zwar von einem englischen Autor, allerdings (bisher) nur in Deutschland erschienen. Was den englischen Titel plus deutschen Zusatz für mich noch unverständlicher macht als eh eh schon bei der Übersetzung englischsprachiger Bücher ist. Auch wenn sich vermutlich vom Marketing gewünschte Assoziationen zu Gone Girl aufdrängen. Die man aber besser ignoriert, die beiden Bücher haben nämlich wirklich nur das Gone im Titel gemeinsam.

Denn Gone Cat ist im großen und ganzen ein ziemlich klassischer Krimi um einen Mordfall mit einem Privatdetektiv als Ermittler. Gut, der Ermittler ist 11 Jahre alt, das ist eher ungewöhnlich. Aber es ist garantiert kein psychologischer Thriller. Und – im Gegensatz zu meinen vom Klappentext geweckten Hoffnungen – auch kein Katzenkrimi. Mildred, die titelgebende Katze, spielt nur eine Nebenrolle, wichtig sind eigentlich nur die Aufnahmen ihrer Kamera. Aber eine kätzische, aktive Mithilfe, wie beispielsweise in dem Krimis von Andrea Schacht, gibt es hier nicht. Was ich sehr schade fand, denn genau darauf hatte ich mich gefreut.

Aber viel problematischer fand ich Bruno, eben jenen 11jährigen Ermittler. Denn Bruno ist genauso wie ich mir den typischen 11jährigen vorstelle: Ziemlich ahnungslos, was das Verhalten von Erwachsenen betrifft, aber gleichzeitig hält er sich für die Inkarnation von Sherlock Holmes, Columbo und Philip Marlowe in einem – sprich er glaubt alles zu wissen und nichts falsch machen zu können. Und damit nervte er mich unendlich. Vor allem weil sein Verhalten manchmal einfach maßlos dämlich war. Mein Lieblingsbeispiel ist die Stelle, wo er sich aus einem fahrenden Auto auf die Handtasche einer fremden Frau stürzt – weil er sie für seine Katze hielt. Aus einem fahrenden Auto. Auf eine Handtasche. Ich konnte Bruno einfach nicht ernst nehmen.

Den Kriminalfall an sich fand ich eigentlich gut gemacht und es werden im Laufe der Handlung einige schwierige  und komplexe Themen – von Vergewaltigung und Gewalt in der Ehe bis hin zu Pädophilie – angesprochen, allerdings immer nur recht oberflächlich. Und derartige Themen passen für mich einfach nicht zu einem Kind als Ermittler. Das ist nichts womit sich jemand in seiner Kindheit auseinandersetzten sollte. Wunschdenken leider, klar.
Aber gerade bei Bruno hier hätten die Eltern dem Ganzen leicht einen Riegel vorschieben können. Er ist in den Mordfall nicht verwickelt, wenn mal davon absieht, dass er im Haus nebenan passierte, und es gibt keine Erklärung dafür, warum die Eltern ihn ermitteln lassen und ihm, im Falle des Vaters, ein pensionierter Ermittler, sogar teilweise helfen.

Mein Buch war ein Leseexemplar und ich hoffe, dass vor dem Erscheinen des ‚richtigen‘ Buches nochmal jemand Korrektur gelesen hat. Denn zwischendrin wurde Bruno mehrmals als Dean, der Name seines ebenfalls im Buch vorkommenden Freundes, bezeichnet und Dean dafür als Ben. Was natürlich jedes Mal bei mir für Verwirrung sorgte und keinen Spaß machte.

Noch schlimmer aber fand ich die vielen Klischees, die in dem Buch wiedergegeben wurden. Das reicht von einem „kann jemand mit Tattoos höflich sein“ über „Männer sind schlechtere Detectives, weil sie sich zu fein dafür sind, etwas aufzuschreiben“ und diese Klischees sind einfach so ein offensichtlicher Blödsinn, dass ich das Buch irgendwann nicht mehr ernst nehmen konnte.
Ich fing irgendwann an es mehr als eine Parodie auf Detektivgeschichten zu sehen und als solche hat es dann sogar überraschend gut funktioniert, so dass ich die Lektüre doch wieder etwas genießen konnte. Allerdings hab ich den Eindruck, dass es so nicht von dem Autor gedacht war.

3 Sterne - klein

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Eine Antwort zu {Gelesen} Sam Gasson: Gone Cat

  1. sternenbrise schreibt:

    Ach schade, ich hatte gehofft, dass es ein Katzen Krimi ist.
    Aber schöne und interessante Rezension. Ob ich das Buch auf meine Wunschliste setze, werde ich mir nochmal genau überlegen. Denn solche Klischees nerven mich auch immer sehr.

    Gefällt 1 Person

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