{Gelesen} Sophie Jordan: Infernale (Uninvited #1)

Infernale

Originaltitel: Uninvited
Übersetzer*in: Ulrike Brauns
Hardcover, 380 Seiten
Loewe, 2016
ISBN:978-3-7855-8167-4
Goodreads

Klappentext:
Von klein auf hörte ich Wörter wie begabt. Überdurchschnittlich. Begnadet.
Ich hatte all diese Wünsche, wollte etwas werden. Jemand.
Niemand sagte: Das geht nicht.
Niemand sagte: Mörderin.

Durch einen DNA-Test als potenzielle Mörderin eingestuft, wird Davy Hamiltons perfektes Leben auf den Kopf gestellt. Ihre Freunde und ihre Familie wenden sich von ihr ab. Doch dann findet sie Zugehörigkeit und Liebe, wo sie es am wenigsten erwartet hätte.

Meine Meinung:
Über DNA-Analysen bestimmbare Krankheiten sind heute schon Realität. Die Entdeckung eines Gens, welches eine Art Disposition für Aggression/Gewaltverbrechen trägt, klingt in dem Zusammenhang gar nicht so unrealistisch. Und die Frage, wie die Gesellschaft als ganzes auf ein solches Gen reagieren würde und welche Auswirkungen das hat, ist meiner Meinung nach ein faszinierendes Gedankenspiel.

Und in der ersten Hälfte des Buches beschäftigt sich die Handlung auch mit genau dieser Frage. Bei Davy wird eben jenes sogenannte ‚Kill-Gen‘ festgestellt und damit ihr Leben auf den Kopf gestellt. Von einer sehr (eigentlich viel zu sehr um Davy für den Leser eine Identifikationsfigur bieten zu können) privilegierten  Position wird sie zu einer gemiedenen Außenseiterin, deren Lebenspläne von heute auf morgen vollkommen unerreichbar wurden.
Die Veränderungen für Davy und auch die emotionalen Auswirkungen fand ich sehr gut und überzeugend dargestellt. Davy hat nachvollziehbare Schwierigkeiten sich an ihre geänderte Situation zu gewöhnen und daran, wie andere sie auf einmal sehen, obwohl sie ja eigentlich immer noch die gleiche Person ist – nur dass alle anderen jetzt mehr über sie wissen, als vorher. Aber das Gen trug sie ja schon immer.
Allerdings war diese Konzentration auf Davy und ihre individuelle Situation auch etwas problematisch, weil man darüber hinaus kaum etwas von den größeren gesellschaftspolitischen Änderungen und Auswirkungen seit der Entdeckung des Gens erfährt.

Und dann ist die zweite Hälfte des Buches, die für mich leider gar nicht so interessant war als die erste. Wobei das nicht mal ganz stimmt. Die Handlung an sich ist dort sogar spannender, aber dafür fallen so ziemlich alle ethisch-moralischen Fragen in Bezug auf das Gen weg, weil sich die Handlung auf einen ganz anderen Schauplatz verlegt und Davy aus Gründen, auf die ich wegen Spoilern gar nicht eingehen will, von der ’normalen‘ Bevölkerung isoliert wird. Und die Handlung ab da ist nicht schlecht, aber einfach weitestgehend normaler Young Adult-Dystopie-Plot, den man schon aus anderen Büchern in seinen Grundzügen kennt und der sich so bekannt anfühlt.

Was ich auch nicht überzeugend fand, war die Liebesgeschichte zwischen Davy und Sean. Ich bin zwar schon froh, dass sie sich wenigstens nicht gleich in der ersten Sekunde unsterblich ineinander verliebt haben, aber ich konnte auch nie nachvollziehen warum sie einander nun so anziehend fanden. Vor allem, was Sean an Davy findet, ist mir bis zum Schluß ein einziges Rätsel geblieben. Insgesamt hat mich die Liebesgeschichte zwar auch nicht gestört, ich fand sie erträglich, aber sie hat bei mir halt auch keine Gefühle geweckt und einige Szenen, die auf den Gefühlen der beiden für den/die jeweils andere aufgebaut waren, verloren damit auch für mich ihre Dramatik.

Es gibt noch einen zweiten Band der Reihe, der sich aber der Beschreibung und den Rezensionen bei Goodreads nach noch mehr weg von der ursprünglichen Frage nach den Test und der damit verbunden Problematik hin zu einem klassischen Liebesdreieck und der beliebten weiblicher Teenager rebelliert gegen dystopisches Regime Handlung entwickelt. Und ich muss sagen, dass spricht mich gar nicht, von daher bezweifele ich auch, dass ich die reihe weiter lesen werde. Auch wenn ich es schade finde, wie sehr die ursprüngliche Idee am Ende aus den Augen verloren wird, denn die war für mich das interessante am Buch.

3 Sterne - klein

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