{Gelesen} Jennifer B. Wind: Als Gott schlief (Book-Date)

als-gott-schlief

Taschenbuch, 365 Seiten
Gmeiner, 2014
ISBN: 978-3-8392-1717-7
Goodreads

Klappentext:
München und Wien: Eine Serie brutaler Morde an katholischen Geistlichen schockiert die Öffentlichkeit. die Opfer werden auf grausame Weise gefoltert und getötet. Am Tatort werden mysteriöse Hinweise gefunden, die jedoch niemand entschlüsseln kann. Kriminalbeamtin Jutta Stern und ihr Partner Thomas Neumann stehen vor einem Rätsel. Was hat die Opfer verbunden? Was treibt den Mörder an? Bei ihren Ermittlungen stößt Jutta auf eine Mauer aus Angst und Schweigen – doch dann entdeckt sie eine Spur, die weit in die Vergangenheit zurückreicht…

Meine Meinung:
Ein spannender Thriller, der mich schnell gefangen nahm und von dem ich mich auch kaum losreißen konnte. Ab der Hälfte allerdings eher, weil ich wissen wollte ob ich mit meiner Vermutung über den Täter richtig lag. Was ich leider auch tat und ich finde es schade, dass es doch recht offensichtlich war, wer wieso die Taten begangen hat.
Und leider auch etwas unlogisch, denn die Ermittler hätten es auch schon einige Seiten vor dem Schluss herausfinden können, wenn sie den mal früher die richten Leute gefragt hätten. Ich will jetzt keine Details nennen, weil das doch unweigerlich zu Spoilern führen würde, aber meiner Meinung nach ist es schon fast eine Verschleppung der Ermittlungen, dass sie eben diese Leute erst so spät befragen.

Ansonsten ist die Handlung sehr linear und recht einfach aufgebaut ohne große Überraschungen. Die Ermittler hangeln sich von Hinweis A über Indiz B zu Verdacht C und entwickeln eben nach und nach ein bestimmtes Bild, dass dann am Ende – nach einem oh so offensichtlichen Twist – den Täter enthüllt. Was ich aber gar nicht schlecht fand. Es muss nicht immer x falsche Spuren und rote Heringe geben, das gradlinige war da mal richtig erfrischend.

Und dann sind da Jutta und Thomas, die beiden Ermittler und zentralen Figuren der Handlung. Und mein größtes Problem – ich fand nämlich ihn total unsympathisch und sie naja, sympathisch aber völlig fehl am Platz.
Thomas ist ein Wundergenie, der einfach perfekt ist und alles kann. Außer mit Frauen umgehen. Also im Prinzip Sheldon Cooper als strahlender Held ohne Feld und Tadel. Und es war einfach nervend, weil er so unrealistisch dargestellt wurde. Oh und er benutzt einen BlackBerry. Was auf jeder Seite mindestens einmal, wenn nicht öfter erwähnt wurde. Ich hoffe echt, die Autorin wurde dafür wenigstens irgendwie bezahlt…
Und Jutta hatte einen Verlobten, ebenfalls Polizist, der vor etwa zwei Monaten im Dienst ermordet wurden. Und niemanden stört es, dass Jutta ganz normal ohne jegliche therapeutische Hilfe ihrer Arbeit nachgeht. Bis sie dann zusammenbricht und alle schockiert sind. Öh, klar. Weil so ein traumatisches Ereignis ja auch einfach innerhalb von acht Wochen verarbeitet werden kann und es bei einer Polizistin ja auch gar keine dramatischen Konsequenzen haben kann, wenn sie plötzlich die Kontrolle verliert, weil sie von Erinnerungen überwältigt wird….
Und die restlichen Personen bleiben unendlich blass. Es gibt noch einen Ermittler, bei dem ich bis zum Schluss keine Ahnung hatte, was für eine Aufgabe er hatte, außer als Zielscheibe für Thomas‘ und Juttas Spott zu dienen. Und der rest ist mir erst gar nciht in Erinnerung geblieben, weil sie einfach keinerlei Merkmale bekommen, die über ‚Ordensschwester‘, ‚Pfarrer‘, ’sofort in Mr. Perfection unendlich verknallte Sekretärin‘ und dergleichen hinausgehen.

Ein Krimi zu einem unheimlich wichtigen und komplexen Thema, der leider sein durchaus vorhandenes Potential nicht komplett ausschöpfen kann. Gerade, was die Darstellung und Charakterisierung der beiden Ermittler angeht.

3 Sterne - klein

Das Buch-Date ist eine Aktion von Zeilenende und wortgeflumselkritzelkram, bei der es darum ging sich in Paaren gegenseitig Bücher zu empfehlen und dann eine der Empfehlungen zu lesen und auch (heute) zu rezensieren. Ich fand und finde die Idee toll, auch wenn mir meine Empfehlung nun nicht so gefallen hat. Aber das Risiko besteht natürlich immer und es war schön, dass ich durch die Empfehlungen auch mal meine Lektüre-Comfort-Zone verlassen habe und ein Buch gelesen habe, welches ohne diese Aktion nie meine Aufmerksamkeit gewonnen hätte.
Und es hat mir unheimlich Spaß gemacht LunaUmbra drei Bücher zu empfehlen und mir Gedanken zu machen, was ihr denn gefallen könnte und was andererseits mir auch so gut gefallen hat, dass ich es ohne schlechtes Gewissen weiter empfehlen kann.
Und für alle die jetzt denken „och da hätte ich auch gern mitgemacht“: Euch kann geholfen werden. Die beiden Veranstalter planen schon eine zweite Runde. Ab Montag gibt es auf ihren Blogs mehr Infos.

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4 Antworten zu {Gelesen} Jennifer B. Wind: Als Gott schlief (Book-Date)

  1. Pingback: Buch-Date [Sammelbeitrag] « Zeilenendes Sammelsurium

  2. Zeilenende schreibt:

    Kluge, weise Worte, die Comfort Zone mal zu verlassen. Das könnte man mal explizit zum Thema machen. Immerhin kein glatter Reinfall. Das ist doch die halbe Miete. Danke für die schöne Rezension. 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. LunaUmbra schreibt:

    Erstmal freue ich mich sehr über die gelungene Rezension. Ich fand sie sehr gut geschrieben. 😆
    Auch wenn ich es schade finde, dass dir das Buch nicht so viel Freude gemacht hat, wie ich es mir erhofft hatte. In dem Punkt Charakterentwicklung muss ich dir aber zustimmen, daran könnte man wirklich noch feilen. Und das Thema selbst hat ernormes Potential.
    Liebe Grüße Luna

    Gefällt 1 Person

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