{Gelesen} Ulrike Piechota: Syrische Spuren

syrische-spuren

Taschenbuch, 545 Seiten
Pandion, 2015
ISBN: 978-3-86911-069-4
Goodreads

Klappentext:
Die wichtigste Entscheidung seines Lebens trifft Said mit einem Kopfnicken. Er steht auf dem Frankfurter Flughafen: zurück nach Syrien, wo er keine berufliche Zukunft hat? Eine Anstellung als Chirurg in einem deutschen Krankenhaus? Er ist keine Zeit, das Für und Wider abzuwägen. Ohne die ihm fremde Welt in Deutschland zu kennen, tritt er die Stelle im Krankenhaus an,  eröffnet zehn Jahre später eine eigene Praxis in der Kurstadt Bad Kreuznach. Als der Krieg in Syrien ausbricht, lässt ihn die Angst um seine Heimat nicht los. Da fällt ein Schuss. In der Nähe seiner Praxis. Trifft einen syrischen Flüchtling. Said erkennt: Krieg und Ausländerfeindlichkeit machen vor keiner Grenze Halt. Trotzdem gibt er anderen Menschen weiter, wovon er selbst überzeugt ist: Ohne Hoffnung geht nichts.

Meine Meinung:
Es fällt mir ziemlich schwer etwas objektives (soweit man Rezensionen überhaupt als objektiv beschreiben kann) zu dem Roman zu sagen, was daran liegt, dass die zentrale Figur, der Arzt aus Syrien, ein reales Vorbild hat – welches ich zumindest etwas kenne. Es ist ein Arzt, bei dem ich sowie andere Familienmitglieder schon in Behandlung waren und der, soweit man das aus Patientensicht beurteilen kann, sowohl sehr fähig als auch sympathisch ist. Und dieses Wissen hat natürlich auch meine Bewertung der Romanfigur irgendwo positiv beeinflusst denke ich.

Und es ist einfach toll ein Buch zu lesen, dass in einer Stadt beziehungsweise Gegend spielt, die man wirklich in- und auswendig kennt. Was ein ziemlich neues Gefühl war. Ich glaube ich versteh jetzt, warum Regionalkrimis so beliebt sind….

Aber auch abgesehen von diesen Punkten fand ich das Buch sehr interessant. Es ist das erste Mal, dass ich die Hintergründe und Komplikationen des Syrien-Konfliktes wirklich gut verstanden habe. Wobei man sagen muss, dass das Buch ziemlich einseitig aus einer Anti-Assad-Sicht geschrieben ist und die wenigen Figuren, die Pro-Assad sind, entweder zu den Bösen gehören oder offensichtliche Idioten sind. Aber trotzdem war es wirklich lehrreich und das auf eine unterhaltsame Weise.
Allerdings muss man auch anmerken, dass das Buch ‚bereits‘ 2015 erschienen und vor der Flüchtlingskrise in den letzten Monaten geschrieben wurde und dementsprechend an einigen Stellen schon veraltet wird. Zum Beispiel wenn darüber gesprochen wird, wie wenig Aufmerksamkeit die Flüchtlingsdramatik in Deutschland bekommt. Öhm ja.

Die Handlung selbst bestand aus mehreren verschiedenen Handlungssträngen, die am Ende mehr oder weniger Sinn ergaben. Die Haupthandlung fand ich gut gemacht, aber einige Nebenhandlungen hätte man meiner Meinung nach weglassen können und es hätte dem Buch eher geholfen, besonders was die Handlung um Michael betrifft.
und auch stilistisch fand ich einige Passagen eher holprig und ohne Feinschliff. Es ist da mehr ein Beschreiben von Szenen als ein wirkliches Erzählen.

Insgesamt hat das Buch durchaus sowohl stilistisch als auch auf die Handlung bezogen einige Schwächen und hätte es nicht für mich diesen Vertrautheits-Bonus hätte ich es wohl auch kaum mit 4 Sternen bewertet. Aber gleichzeitig ist es auch ein wichtiges Buch, dass zur Auseinandersetzung mit einem hoch-aktuellen Thema einlädt und einem die Dramatik der Geschehnisse in Syrien aus einer sehr persönlichen Perspektive vor Augen führt.

4 Sterne - klein

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 4 Sterne, Bücher, Buchbesprechungen, Contemporary abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s