{Gesehen} Iron Fist – Season 1

Quelle: imdb.com

Darum geht es:
Fifteen years after being presumed dead in a plane crash, Danny Rand mysteriously returns to New York City determined to reclaim his birthright and family company. However, when a long-destined enemy rises in New York, this living weapon is forced to choose between his family’s legacy and his duties as the Iron Fist.

Eckdaten:
Trailer: Youtube
Sender:
Netflix
Jahr: 2017
Staffel: 1 von bisher 2
Anzahl Folgen/Staffel: 13
Laufzeit einer Folge: etwa 60 Minuten
Schauspieler: Finn Jones, Jessica Henwick, Jessica Stroup, Tom Pelphrey, David Wenham, Wai Ching Ho, Rosario Dawson
Rezensionen zu weiteren Staffeln & Serien aus dem Defenders Universum: Daredevil (Staffel 1 & Staffel 2), Jessica Jones (Staffel 1), Luke Cage (Staffel 1)

Meine Meinung:
Eine Figur, die völlig zerrissen ist von den Anforderungen, die an sie von allen Seiten gestellt werden. Die daran Stück für Stück, Folge für Folge etwas mehr zerbricht. Die keinen Ausweg mehr sieht und sich nur durch Drogen und Verzweiflungstaten über Wasser halten kann. Hochkomplex, voller Schwächen und Fehler. Alles andere als ein strahlender Held. Aber genau deswegen hochinteressant.

Genau diese Figur gibt es in Iron Fist. Nur leider nicht als Iron Fist. Und damit ist das größte Problem der Serie auch schon beschrieben. Die titelgebende Figur, mit bürgerlichem Namen Danny Rand, ist nämlich einfach nur ein Kleinkind mit permanenten 13 Folgen andauernden Trotzanfall  im Körper eines Erwachsenen. Etwas übertrieben, was meiner Enttäuschung geschuldet ist, aber zutreffend.

Danny hat als 10jähriger einen Flugzeugunfall überlebt, bei dem seine Eltern starben und er selbst wird für tot gehalten, wurde aber von Mönchen im Himalaja gerettet und aufgezogen. Nach 15 Jahren kommt er nach New York zurück (öhm, dumme Frage: Wie? So ohne Geld..) und möchte seine Position als Erbe seines Vaters (Milliardär und Chef einer großen Corporation) antreten. Was macht er um das zu erreichen? Er überrascht die jetzigen Geschäftsführer, Freunde aus seiner Kindheit [Nepotismus ist beliebt in der Serie xD], erwartet, dass sie ihn sofort erkennen und ihm ohne irgendeinen Nachweis glauben, stalkt sie und bricht bei einer mal einfach so in die Wohnung ein. Öhm ja. Sehr schlaue Vorgehensweise, doch.
Außerdem findet es der BWLer in mir unmöglich, dass Danny gleubt einfach so ein Unternehmen wie Rand führen zu können. Er hat die Schulbildung eines 10jährigen!! verdammt noch mal. Okay, die Art und Weise wir Rands Geschäftsführung in der Serie dargestellt wird, ist eh merkwürdig aber trotzdem, what the fuck? Er hat null wirtschaftliches Verständnis und auch absolut keine Pläne dieses zu erlangen. Hauptsache er kann Entscheidungen treffen, wie er will ohne Rücksicht auf die Meinungen von anderen (die definitiv mehr Ahnung haben).

Und dazu kommt noch, dass Danny angeblich die letzten 15 Jahre in einem Kloster am Ende der Welt gelebt hat, aber zum einen null Probleme hat im menschengefüllten New York klar zu kommen. Okay man könnte sagen, da hat er ja auch die ersten zehn Jahre seines Lebens verbracht. Aber zweitens hat Danny auch keinerlei Probleme mit moderner Technik. Und die letzten 15 Jahre ergibt für Danny einen Stand von 2002 – also ICQ, keine Smartphones, kein Skype etc. Von politischen Entwicklungen ganz zu schweigen. Aber das alles berührt Danny absolut nicht. Er will, was er will und zwar jetzt und sofort. Kann zwar keine zwei Minuten vorausplanen und hat keine Ahnung was er machen soll, wenn er hat was er will, aber will es jetzt. Im Prinzip ist Danny ein Mini-Trump mit gesünderer Hautfarbe aber dem selben idiotischen Wesen.
Vielleicht ist es das, was mich so unheimlich an Danny nervte. Dass es eine mächtige ihm im Wesen viel zu ähnliche Figur in der Realität gibt, und ich einfach ne scheiß Angst hab, dass dieser Idiot nen Atomkrieg auslöst und sich das auf Danny übertragen hat.

Aber an Danny gibt es ja noch eine zweite Seite – die des/der (?) Iron Fist, eine mächtige Waffe im Kampf gegen die Hand (also diese komische Truppe aus Daredevil). Eine Position, die Danny sich in dem Kloster erkämpft hat, und von dem es (*Highlander-Soundtrack setzt ein*) immer nur einen Kämpfer gibt. Dumm nur, dass Danny leider gar nicht als der gute Kämpfer rüberkommt und bei jedem Kampf Probleme hat. Ich weiß nicht, ob es an der Choreographie oder an Finn Jones liegt, aber ich fand die Kämpfe zum allergrößten Teil furchtbar gestellt und nicht überzeugend. Was natürlich bei einer Serie wie Iron Fist extrem schlecht ist.

Und überhaupt: die Mythologie um K’un Lun – das erwähnte Kloster – und die Iron Fist fand ich auch nicht so nachvollziehbar. Auf der einen Seite soll Iron Fist K’un Lun beschützen und als eine Art Portal-Wächter (K’un Lun ist nur alle 15 Jahre von unserer Dimension aus zu betreten) funktionieren, d. h. das Kloster auf keinen Fall verlassen. Aber gleichzeitig soll er die Hand bekämpfen – welche weltweit und vor allem in den Großstädten und komplett in dieser Dimension aktiv ist. Wie passt das denn zusammen? Und was ist mit den anderen nicht-Iron-Fist-Kämpfern in K’un Lun? Was ist deren Aufgabe? Und… argh, ich könnte noch ewig weiter machen. Da wurde einfach so wenig erklärt.

Aber auch wenn es die letzten fünf (Oh Gott) Absätze so klingt, es war nicht alles schlecht an Iron Fist. Also der Serie, der Figur leider schon eher. Die Nebenfiguren, allen voran die Familie Meachum, empfand ich sogar als sehr gut.
Besonders Ward – die im allerersten Absatz beschriebene Figur – war für mich das Highlight der Serie und ich würde sofort eine Spinoff-Serie über ihn und seine Schwester Joy ansehen. Und Papa Meachum ist gegenüber seine Familie noch intriganter und manipulierender als Tywin Lannister. Insgesamt also eine wunderbar kaputte Familie, als wäre sie genau auf mich zugeschnitten geschrieben.

Und dann ist da noch Colleen Wing, mehr oder weniger Iron Fists sidekick. Sie macht bei Kämpfen eine deutlich bessere Figur als er. Und ihre Motive gegenüber Danny machen sie auch sehr interessant. Außerdem ist da natürlich noch das Bindeglied zwischen allen Defenders-Serien; Claire. Die hier in gewohnter Topform ist und sich als eine von wenigen Dannys Bullshit nicht bieten lässt und ihm auch mal sagt, wenn ein Plan einfach scheiße ist.

Abgesehen von Claire gibt es nicht viel Bezug zu den anderen Defenders-Serien, sondern nur mehr oder weniger Namedropping. Daredevil wird einmal erwähnt, wobei ich mir da nicht mal sicher bin, ob wirklich ‚unser‘ Daredevil gemeint war oder nur irgendein Daredevil, also Draufgänger. Außerdem wird eine fähige, wenn nüchterne Privatdetektiv erwähnt und Claire leiht Danny ein Shirt mit Kugellöchern. Es taucht noch eine Figur aus Daredevil auf, aber wenn man da die Vorgeschichte nicht kennt, macht auch keinen Unterschied.

Für mich mit Abstand die bisher schlechteste Serie aus dem Defender-Universum, und es liegt vor allem an Danny selbst, den ich einfach unerträglich fand. Und das macht mir etwas Angst vor Defenders. Auch wenn ich hoffe, dass er im Zusammenspiel mit drei deutlich besseren Figuren vielleicht auch besser wirkt, schon allein weil er nicht die ganze Zeit allein im Mittelpunkt stehen kann (und weniger Sendezeit auf ihn verwendet werden kann). Aber ich bin von dieser Staffel echt enttäuscht.
Leider ist sie, da sie sich sehr mit der Hand beschäftigt, wohl auch recht wichtig um der Handlung von Defenders folgen zu können. Aber trotzdem würde ich eher empfehlen eine ausführliche Inhaltsangabe zu lesen und sich nicht durch die 13 Stunden zu quälen.

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9 Antworten zu {Gesehen} Iron Fist – Season 1

  1. Miss Booleana schreibt:

    Wir haben ja schon mal kurz darüber geschrieben, Zustimmung was das allgemeien Empfinden der Serie betrifft. Aber ich habe einiges anders empfunden. Meine Wahrnehmung von Ward hatten wir ja schon Mal, den Charakter finde ich immer noch irre inkonsistent und wie ein auf zwei Beinen wandelndes plot hole. Aber auch Danny würde ich nicht als Mini-Trump bezeichnen. Trump hat veraltete Weltsichten und ihm ist alles recht, um sich als herausragend und über allen anderen darzustellen, ein echter Soziopath, der gar nicht merkt wie er andere in die Bredouille bringt. Aber Danny ist einfach naiv. Wenn er merkt wie er anderen schadet, dann tut es ihm auch extrem leid, weshalb er kein solcher Soziopath sein kann.
    Aber die ganze Sache mit Danny, seiner Aufgabe und K’Un-Lun ist einfach furchtbar gelöst … das macht ihn vor dem Zuschauer nur weiter unglaubwürdig. Sie hätten wenigstens mal ein bisschen mehr von den sicher zahlreichen Prüfungen erzählen sollen die er in Kunlun bewältigen musste … wie kann man denn so eine Origin-Story erzählen? Furchtbar.

    Gefällt 1 Person

    • Amerdale schreibt:

      Ich finde Danny in seiner Egozentrik und Kurzsichtigkeit durchaus mit Trump vergleichbar.
      Danny will Iron Fist werden – und dann? Kein Plan.
      Danny will in die Geschäftsführung von Rand – und dann? Kein Plan.
      Danny will die Hand zerstören – wie? Kein Plan.
      Donald will Präsident werden – und dann? Kein Plan.
      Donald will ACA abschaffen – wie? Kein Plan.
      Beide sind einfach unheimlich kindlich in ihrem Verhalten und ihrer Reife und überzeugt, dass sie alles einfach besser können als jeder andere, obwohl alle Anzeichen auf das Gegenteil hindeuten. Da ist einfach null Selbstreflektion. Für mich sind sie beide extreme Narzissten.

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