{Gelesen} John Grisham: Berufung

Originaltitel: The Appeal
Übersetzer*in: Dr. Bernhard Liesen, Bea Reitner, Kristiana Ruhl, Imke Walsh-Araya
Taschenbuch, 461 Seiten
Heyne, 2009
ISBN: 978-3-453-43454-7
Goodreads

Klappentext:
Sie verlor ihre ganze Familie. Um ihren Tod zu sühnen, zieht Jeanette Baker gegen einen der größten Chemiekonzerne der USA vor Gericht. Als ihrer Klage stattgegeben und das Unternehmen zu 41 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt wird, ist die Sensation perfekt. Doch dann geht Krane Chemical inc. in Berufung, und eine Intrige unglaublichen Ausmaßes nimmt ihren Lauf.

Meine Meinung:
Also ich anfing das Buch zu lesen, wurde mir recht schnell aus was der im Klappentest nur angedeutete Skandal besteht: Eine Chemiefirma hat über Jahrzehnte hinweg das Grundwasser einer kleinen Stadt verseucht – und die Anwohner ebenso lange genau dieses Wasser getrunken. Krabsraten schießen in die Höhe, Menschen sterben etc. Niemand stört es, niemand stellt Fragen, die Behörden versichern alles sei in Ordnung blabla.

Und es klang so unrealistisch. So unvorstellbar.
Joa, und dann fiel mir Flint ein. Flint, eine kleine Stadt in Michigan. Die seit rund 1.250 Tagen (das heißt ~ 3,4 Jahren) kein sauberes Wasser hat. Und geringere Fruchtbarkeitsraten. Okay, es war die Automobilbranche und nicht die Chemiebranche, aber trotzdem. Und Grisham schrieb sein Buch, bevor der Skandal um Flint publik wurde. Unglaublich ist es trotzdem, das so etwas trotzdem Realität in einem hochentwickelten Land wie den USA sein kann.

Leider ist diese ungeplante Realitätsnähe aber auch so ziemlich das beste an Grishams Buch. Klar, es führte mir mal wieder vor Augen, wie scheiße das amerikanische Justizsystem eigentlich ist – aber so geht es mir bei Gerichtsthrillern aus den USA immer.
Wobei es dieses Mal einen neuen Aspekt in Spiel brachte: Richter werden nämlich in einigen Bundesstaaten gewählt. Von den Bürgen. Klingt ja erst mal ganz demokratisch (und ja sie müssen vorher Jura studiert haben). Aber: sie führen auch einen Wahlkampf – mit Auftritten im ganzen Bundesland, Werbespots, Wahlkampfteams etc. – und das kostet Geld. Also braucht man auch Spenden. Und wenn jetzt so ein Unternehmensverband / Lobbyverein ums Eck kommt und sagt: ‚hey hier sind 20 Millionen, aber halt dich mal nach der Wahl etwas zurück, was Schadensersatz angeht.‘ klingt das nicht nach nem objektiven Richter.
Und genau so ein Wahlkampf macht einen großen Teil der Handlung aus. Es geht zwar um Richter und es gibt auch ein paar Gerichtsszenen, aber insgesamt ist es meiner Meinung nach mehr ein Politikthriller.

Aber was störender ist, ist die klare Aufteilung in gut und böse. Da ist der Chemiekonzern, dem Gewinn über alles geht und der vor nichts zurückschreckt, personifiziert von dem ehrgeizigen, machtbesessenen, sich in jeder Hinsicht wie ein Arschloch verhaltenen Mehrheitseigentümer, der im Luxus schwelgt und doch nicht den Hals voll bekommt. Und auf der anderen Seite zwei Anwälte – natürlich eine Ehepaar – am Rande des Konkurs ohne jegliche finanzielle Unterstützung aufopferungsvoll gegen diesen ressourcenreichen Chemiegiganten kämpfend. Es ist so rührend. Und vor allem nervend in dieser Eindeutigkeit ohne jegliche Schattierungen.

Aber trotzdem war die Handlung spannend und entwickelte sich zu einem page-turner. Zwar teilweise nicht glaubwürdig, aber spannend. Da merkt man einfach acuh die Routine des Autors, der genau weiß wie er seine Leser unterhält und gefangen nimmt. Bis zum Ende. Das war einfach nur frustrierend. Wobei sich Grisham da meiner Meinung nach auch irgendwie in eine Sackgasse geschrieben hat. Denn sobald die Handlung einen gewissen Punkt überschritten hat, sind alle vorstellbaren Enden einfach nur doof und frustrierend.

Für mich keine Glanzleistung des Autors, da hab ich schon deutlich bessere Bücher von ihm gelesen. Die Einblicke in das Justizsystem und die Richterwahl sind interessant, aber die Handlung selbst eher weniger.

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