{Gelesen} Frank Schätzing: Tod und Teufel

Taschenbuch, 501 Seiten
Goldmann, 2003
ISBN: 3-442-45531-6
Goodreads

Klappentext:
Köln im Jahr 1260:
Jacop der Fuchs, ein liebenswerter Dieb und Herumtreiber, wird unfreiwillig Zeuge eines Mordes. Er sieht, wie eine düstere Gestalt den Kölner Dombaumeister vom Gerüst in den Tod stößt. Aber er selbst muss auch gesehen worden sein. Denn jeder, dem Jacop diese Geschichte erzählt, ist kurze Zeit später tot. Dem jungen Mann wird schnell klar, dass er nur eine Chance hat, seine Haut zu retten. Er muss den Täter entlarven, bevor auch er zu seinem Opfer wird.

Meine Meinung:
Ich wusste ehrlich gesagt herzlich wenig über Köln – egal ob in der Jetztzeit oder im Mittelalter (sorry, liebe Kölner Leser ;) ). Und noch weniger weiß über den Kölner Dom und besonders wenig über seine Erbauung – außer dass er ein schönes Gebäude ist – also auf Fotos zumindest – und gefühlt ewig an ihm gebaut wurde.
Gut vom Dom weiß ich an sich ich auch nach der Lektüre recht wenig und davon wie er gebaut wurde auch. Aber dem mittelalterlichen Köln mit seinen Gassen und Marktplätzen fühle ich mich jetzt viel näher. Die Beschreibungen der Stadt sind wirklich lebendig und atmosphärisch geschrieben und sehr gelungen.

Als deutlich problematischer empfand ich dagegen die Personen im Roman. Die Guten – und damit fängt es eh schon, die Einteilung in gut und böse könnte nicht deutlicher sein – sind in ihrem Denken und Handeln viel zu modern um glaubhafte Bürger des 13. Jahrhunderts zu sein. Besonders bei Jacop, Jasper und vor allem Richmondis konnte ich da nur noch mit dem Kopf schütteln.
Und die Bösen sind böse. Ansonsten bekommt jeder noch ne zweite Eigenschaft (einer ist rücksichtslos, einer von Hass beflügelt, ein anderer ein Zweifler, etc). Aber das war es auch schon. Sie werden komplett darauf reduziert.

Bei der Handlung selbst wechseln sich spannende Passagen, in denen mich die Geschichte auch sehr zu fesseln wusste, mit zähen und langweiligen Abschnitten ab. Letztere bestehen meist aus irgendwelchen trockenen, durch nichts aufgelockerte Monologe von Jasper in denen er über Seiten Hintergrundwissen wiedergibt, damit der Leser dem unnötig komplizierten politischen Hintergrund folgen kann.

Aber eigentlich ist das komplett unnötig (und ich hab es auch irgendwann genervt überblättert). Jeder, der schon mal 3 Minuten Tatort gesehen hat, weiß schon nach kurzer Zeit, wer warum und von wem ermordet wurde. Es könnte praktisch nicht offensichtlicher sein, wenn Schätzing seine Bösewichte in einer Versammlung hätte sagen lassen: Um alles noch mal zusammenzufassen, wie haben xy getötet aus dem und dem Grund.“

Besonders schlimm daran, ist dass es so offensichtlich ist, aber gleichzeitig die Nennung des Motiv unheimlich konstruiert immer wieder aufs Neue verhindert wird. Durch die absurdesten Situationen. Und spätestens als das das dritte Mal der Fall war, kam ich mir leicht verarscht vor. Und das ist kein schönes Gefühl.

Kann man lesen, muss man aber absolut nicht. Es gibt bessere Romane – sowohl von Schätzing (das hier ist übrigens sein Debütroman, der erstmals 1995 veröffentlicht wurde und das erklärt wohl, warum er so deutlich schlechter als beispielsweise der Schwarm ist) als auch aus dem historischen Genre.

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Eine Antwort zu {Gelesen} Frank Schätzing: Tod und Teufel

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