{Gesehen} Marseille Staffel 1

Image imdb.com

Darum geht es:
Robert Taro war 20 Jahre Bürgermeister der Stadt Marseille. Seiner erkrankten Frau zuliebe will er sich aus der Politik zurückziehen und das Amt seinem Stellvertreter Lucas Barrès überlassen.
Taros Tochter Julia ist aus dem Ausland zurückgekehrt und beginnt ein Volontariat bei der Zeitung „Provence“. Ihre Recherchen führen sie in die Problemviertel der Stadt, wo sie den Kleinkriminellen Selim kennenlernt. Die beiden beginnen eine stürmische Affäre und provozieren damit Julias ehemaligen Freund Eric.
Als Taros designierter Nachfolger Lucas Barrès gegen eine geplante Luxus-Bebauung des Hafengeländes votiert sieht der Bürgermeister sein politisches Vermächtnis in Gefahr. Hin- und hergerissen zwischen dem Wohl seiner Familie und den eigenen Ambitionen sieht Taro sich gezwungen, erneut zur Wahl anzutreten.
Er tritt gegen seinen ehemaligen Protegé an, der einen unerbittlichen Wahlkampf voller Hass und Intrigen führt.

Eckdaten:
Trailer: Youtube
Sender:
Netflix
Jahr: 2016
Staffel: 1; eine zweite wurde bestellt, gibt aber noch kein Sendedatum
Anzahl Folgen/Staffel: 8
Laufzeit einer Folge: etwa 55 Minuten
Schauspieler: Gérard Depardieu, Benoît Magimel, Géraldine Pailhas, Stéphane Caillard, Nadia Farès, Carolina Jurczak,

Meine Meinung:
Wie viele Serien fallen euch ein, die nicht aus den USA, UK oder Deutschland stammen? Ziemlich wenig, oder? Und wie oft wird auf den großen Serien-/Medienportalen darüber gesprochen? Und wo bekommt man sie zu sehen, mal abgesehen von arte und dergleichen mittwochs um drei Uhr morgens?

Und genau deswegen bin ich Netflix sehr dankbar, dass sie auch Serien in anderen Ländern produzieren und einem leicht zugänglich machen. Das funktionierte super bei Rita/Hjørdis und auch 3% fand meine Begeisterung. Nun also mit Marseille ein französisches Projekt. Ich war etwas skeptisch, weil es a) französisch ist und ich die Sprache seit meinem halben Jahr Französischunterricht (das war die schlechteste Entscheidung meiner Schulzeit) ganz und gar nicht mag. Ich hab die Serie übrigens deswegen auch auf Deutsch gehört, was sehr ungewohnt war aber funktionierte – nachdem ich obigen Trailer jetzt mit den französischen Originalstimmen gesehen hab, muss ich sagen, teilweise passten die deutschen für mich sogar besser. Und b) wurde die Serie als europäisches House of Cards beworben. Und HoC fand ich nicht so pralle (schon vor Bekanntwerden von Spaceys sexueller Belästigung).

Aber Marseille hat mich überrascht. Im doppelten Sinne. Denn die Serie heißt nicht nur so, sondern sie wurde auch in Marseille gedreht. Und wow, die Stadt hat einige schöne (und ja auch genauso viele sehr unschöne) Ecken. Gibt einige sehr zauberhafte Aufnahmen vom Hafen und dem Rathaus, welche Lust auf einen Urlaub dort machen.

Aber zurück zur Serie. Sie hat teilweise einen soap opera-Charakter und es ist höchst unrealistisch, wer mit wem verwandt ist und was alle für dunkle Geheimnisse haben – aber gleichzeitig auch höchst unterhaltsam. Schauspielerisch war etwas ich enttäuscht von Depardieu, der nie wirklich überzeugend den Bürgermeister einer Großstadt gab, sondern viel zu passiv und desinteressiert wirkte. Wobei das möglicherweise auch daran liegen könnte, wie seine Figur geschrieben war. Bei den restlichen Schauspieler*innen kann ich nicht sagen, wie bekannt sie wirklich sind – ich kannte vorher zumindest niemanden – aber ich fand sie sehr beeindruckend. Gerade Géraldine Pailhas als unglückliche Frau des Bürgermeisters fand ich mehr als überzeugend.

Inhaltlich geht es vor allem um den Wahlkampf zwischen Toro las Amtsinhaber und seinem einstigen Protege und jetzt Gegner Barres. Übrigens mit einem sehr albernen Ende im Staffelfinale. Und während dieser Wahlkampf wirklich alle Klischees aufgreift – von Drogenmissbrauch über Sex-Affären bis hin zu Wahlmanipulation -, werden doch auch immer gesellschaftskritische Themen gestreift. Seien es die Szenen in den Armenvierteln mit der hohen Kriminalität, der man nicht entkommen kann (und in welche die Politik natürlich auch irgendwie verstrickt sein muss – ich sag ja soap opera Elemente). Genauso wie die kulturellen Spannungen in Marseille ihren Platz bekommen.

Kein Meisterwerk und auch nicht wirklich eine ernst zu nehmende Politikserie, aber ich hab mich über alle acht Folgen hinweg gut unterhalten gefühlt. Und es entwickelte eine ganz eigene französisch-mediterrane Atmosphäre, die mir so noch nicht begegnet ist.

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2 Antworten zu {Gesehen} Marseille Staffel 1

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