{Gelesen} Andrea Schacht: Der dunkle Spiegel

Taschenbuch, 358 Seiten
Club Bertelsmann, 2006
Begine Almut #1
Goodreads

Klappentext:
Köln im Jahre des Herrn 1376: Sind die selbstbewussten Frauen des Beginen-Konvents am Engelstein etwa Ketzerinnen und Giftmischerinnen? Die junge Begine Almut Bossart, Witwe eines Baumeisters, macht sich kühn an die Aufklärung des Giftmordes im Haus eines Weinhändlers. Doch nicht nur die Neugier treibt sie – es steht zu befürchten, dass die Inquisition sie selbst für die Tat verfolgen wird.

Meine Meinung:
Vor wenigen Wochen noch schrieb ich, dass es bestimmt bessere in Köln spielende historische Krimis geben würde als Schätzings Tod und Teufel. Und nun kann ich sogar ein ganz konkretes Beispiel nennen.

Bei dem Roman handelt es sich um den ersten Band einer Reihe, aber trotzdem ist die Handlung an sich abgeschlossen. Offen bleiben nur ein paar Fragen nach der Vergangenheit von Pater Ivo und Begine Almut – den zwei Hauptpersonen der Reihe -, aber es lässt sich auch gut als Einzelband lesen.

Almut ist eine Begine, was sich sehr kurz und ungenau als eine Art weltliche Nonne bezeichnen lässt. Damit ist sicher eine ungewöhnliche Figur und auch nicht die typische Frauenfigur in einem Mittelalterroman. Dazu kommt, dass Almut teilweise auch Ansichten hat, die für ihre Zeit nicht gerade typisch sind, sondern fast modern wirken. Ader dann gibt es auch wieder Szenen, in denen sie wie ein Kind ihrer Zeit wirkt. Offen getragene Haare – ein unvorstellbarer Skandal. Insgesamt war mir Almut sehr sympathisch, was auch daran liegt, dass sie spricht ohne sich vorher Gedanken über ihre Worte zu machen. Das bringt ihr oft Ärger und sie auch in einige peinliche Situationen, aber für mich als Leserin war es herrlich erfrischend und unterhaltsam. Über Pater Ivo erfährt man (noch?) nicht so viel, aber mit seiner zurückhaltenderen, unüberlegten Art bildet er eine gute Ergänzung zu Almuts spontanem Wesen. Und ich mag seinen feinen Humor.

So nebenbei erfährt man auch einiges über das Leben der Beginen und die Schwierigkeiten mit denen sie zu kämpfen hatten. Von Problemen mit geistiger Obrigkeit bis hin zu finanziellen Existenznöten. Toll fand ich dabei, dass die restlichen Beginen, mit denen Almut zusammenlebt, zwar nicht unbedingt große Rollen in dem Buch spielen, aber trotzdem alle ihr eigenes Wesen  haben und einem deutlich in Erinnerung bleiben.

Die Krimihandlung  selbst ist nicht sonderlich anspruchsvoll. Zwar durchaus spannend, aber das ist mehr durch die Frage „wie findet Almut die Wahrheit heraus“ und nicht durch die Frage „Wer ist der Mörder“ gegeben. Für im Genre geübte Leser*innen lässt sich letztere Frage doch früh und eindeutig erkennen. Aber mitzuerleben, wie starrköpfig Almut sich in die Frage nach dem Täter verbeisst und was sie im Zuge ihrer Nachforschung erlebt und erfährt, ist unterhaltsam.

Nicht der anspruchsvollste Krimi und auch nicht der hochwertigste historische Roman, den ich jemals gelesen habe, aber ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen, das vor allem mit seiner weiblichen Hauptfigur punkten kann.

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7 Antworten zu {Gelesen} Andrea Schacht: Der dunkle Spiegel

  1. 365tageimleben schreibt:

    Andrea Schacht habe ich eigentlich immer sehr gerne gelesen, die Beginen-Fälle sind toll. Ein bisschen wurde mir die Autorin durch die (für mich) sehr langweiligen Romane um die Fährmannstochter.

    Gefällt 1 Person

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