{Gelesen} Ferdinand von Schirach: Schuld

Taschenbuch, 200 Seiten
Piper, 2012
ISBN: 978-3-492-27377-0
Goodreads

Klappentext:
Eine junge Frau wird jahrelang von ihrem Ehemann brutal misshandelt – bis er eines Tages erschlagen wird. Ein Internatsschüler wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Das Spiel eines Pärchens gerät außer Kontrolle. Doch wie kam es dazu? Nach seinem Erfolgsdebüt „Verbrechen“ legt Ferdinand von Schirach einen neuen Erzählband vor, der fünfzehn literarisch aufbereitete Gerichtsfälle versammelt. Leise, aber sehr bestimmt stellt der Berliner Strafverteidiger die Frage nach Schuld und Unschuld, nach Gut und Böse.

Meine Meinung:
Der Anwalt ist die zentrale Figur und der Erzähler, welcher die einzelnen, ansonsten völlig eigenständigen Kurzgeschichten verknüpft. Und alle beschäftigen sich mit dem Gegensatz zwischen Rechtsprechung und Gerechtigkeit und der Frage, wie leicht ‚ganz normale‘ Menschen zu Tätern werden können. Gerade die Geschichte „Volksfest“ macht das sehr deutlich. Und hier in diesen Schicksalen liegt auch die Stärke des Buches und das ist es was es zu etwas Besonderem macht.

Wie auch schon bei Verbrechen ist es für mich vor allem der Stil des Autors, der das Buch so besonders macht. Von Schirach benutzt hier kein Wort zu viel, er hat einen sehr emotionslosen, nüchtern-distanzierten Stil – aber genau das macht die Geschichten so mächtig und so berührend. Es ist da eine Diskrepanz zwischen Stil und Inhalt, aus der heraus eine wahnsinnige Wirkung entfaltet.

Und das Buch fordert den Leser. Es bietet kein richtig und falsch an. Es erzählt, was passiert ist – aber die Bewertung muss der Leser vornehmen. Und das fällt einem echt nicht immer leicht. Manches, was vor Gericht als Recht vollkommen korrekt sein mag, fühlt sich einfach nur als himmelschreiende Ungerechtigkeit an. Und anderes ist einfach nur tragisch.

Ein unheimlich interessantes und auch intensives Buch, in dem sich viel mehr verbirgt und das einen länger beschäftigt, als man aufgrund seiner Dicke (oder eher Dünne) im ersten Moment vermuten würde. Sehr lohnenswert.

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