{Gelesen} Scarlett Curtis (Hrsg.): The Future is Female!

Originaltitel: Feminists don’t wear pink and other lies
Übersetzer*in: Antje Althans, Katrin Harlaß, Elke Link, Kristin Lohmann, Johanna Ott und Sophie Zeitz
Softcover, 409 Seiten
Goldmann, 2018
ISBN: 978-3-442-15982-6
Goodreads

Danke an den Verlag und Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

Klappentext:
Die Welt, in der Frauen heute leben, ist trotz #MeToo und immer größer werdenden öffentlichen Protesten gegen die Geschlechterungleichheit noch immer massiv vom Gender Pay Gap, der Sehnsucht nach dem perfekten Bikinibody und Mansplaining definiert. »The future is female! Was Frauen über Feminismus denken« ist das Buch für Mädchen und Frauen, die sich mit diesem ungenießbaren Cocktail nicht länger zufriedengeben wollen, eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung. Frauen von der Hollywood-Ikone bis zur Teenie-Aktivistin erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte; alle Geschichten zusammengenommen entwickeln eine Kraft, die die alte Welt aus den Angeln heben kann und dem F-Wort einen ganz neuen Glanz verleiht. Der Feminismus von heute definiert sich über das Dafür und Miteinander und nicht ewig gestrig über das Dagegen, er ist eine unwiderstehliche Notwendigkeit – und jede Einzelne von uns gehört dazu!

Meine Meinung:
Oh die Unsitte englischen Werken in der deutschen ‚Übersetzung‘ englische Titel – aber selbstverständlich anders als der Originaltitel – zugeben, hat sich von Kinofilmen zu Büchern ausgebreitet.
Aber noch unverständlicher ist für mich, warum der Verlag im Deutschen einen anderen Pinkton wählen musste. Der ursprüngliche ist nämlich nicht irgendeiner Farbton, sondern Baker-Miller-Pink, welches Aggressivität verringern soll. Und dieser Farbton wird von Frau Crutis in ihrem Beitrag auch noch mal explizit aufgegriffen, was für mich den Farbwechsel komplett unverständlich macht.

Die verschiedenen Beiträge sind alle sehr persönlich und auch total unterschiedlich. Von kurzen Gedichten, die kaum eine Seite bedecken, bis hin zur langen Erzählung. Aber auch inahltlich gibt es eine wahnsinnige Bandbreite. Manche richten sich mit Empfehlungen direkt an die Leser*innen, andere sind eher im Plauderton gehalten. bei manchen ist die Verbindung zum Feminismus offensichtlich und wird auch direkt ausgesprochen, bei anderen ist es eher subtil und bei einigen konnte ich sie nicht finden. Wobei das aber eben auch immer eine Frage des eigenen Blickwinkels ist. Und das Buch zeigt wunderbar auf wie viele Varianten dieses Blickwinkels es geben kann und wie unterschiedlich doch jede einzelne Feminismus für sich selbst definiert.

Wobei ich hier auch die Auswahl der zu Worte gekommenen Personen etwas schade fand. Nicht unbedingt die einzelnen Personen (ich gebe zu, viele kannte ich vorher überhaupt nicht), aber wenn man sie etwas zusammengefasst betrachtet. So gibt es bei 56 Beiträgen allein 16 (entspricht 28,57%) von Schauspielerinnen und 19 (33,93%) von Aktivistinnen – zusammen machen die beiden Gruppen also schon deutlich mehr als die Hälfte des Buches aus – , dagegen gerade mal einen von einer Ärztin und einen von einer nicht weiter definierten Wissenschaftlerin. Gar keinen gibt es von Sportlerinnnen. Oder Militärpersonal. Oder Informatikerinnen.
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, aber ich denke, es ist klar worauf ich raus will. Die Auswahl der Stimmen erscheint mir doch sehr einseitig und es wird auch nirgendwo erklärt, warum gerade diese Frauen.

Und überhaupt Frauen. Für den allergrößten Teil der Texte sind Frauen Menschen, die menstruieren. Was ja doch eine sehr enge Definition ist und viele Frauen ausschließt. Das finde ich sehr schade, weil es direkt der eigentlichen Botschaft des Buches widerspricht. Da hätte mensch wirklich mehr auf Inklusivität achten können und müssen.

Meinem Eindruck nach richtet sich das Buch eher an jüngere Personen, die noch auf der Identitätssuche sind und ich denke da kann es einige nützliche Denkanstöße bieten. Toll finde ich gerade unter diesem Aspekt auch die Liste mit Literaturempfehlungen ganz am Ende.

Aber trotz aller Kritik: Würde meine Nichte nächste Woche nicht ihren fünften, sondern ihren fünfzehnten Geburtstag feiern – ich würde nicht zögern ihr das Buch zu schenken. Und wenn ich einen hätte, meinem Neffen auch.

Dieser Beitrag wurde unter 3 Sterne, Bücher, Contemporary, non-fiction, Young Adult abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu {Gelesen} Scarlett Curtis (Hrsg.): The Future is Female!

  1. Pingback: {Monatsrückblick} 11/2018 | Mind Palace

  2. Miss Booleana schreibt:

    Keine Informatikerin … schade. Wenn ich an unsere Branche denke, da gäbe es einige Storys und Sichtweisen zu erzählen. Umso mehr freue ich mich aber, dass DU an alle diese Branchen und Bereiche gedacht hast. So habe ich doch den Eindruck, dass du das Buch sehr differenziert betrachtet hast.
    Das mit dem Baker-Miller-Pink ist ja seltsam … da fragt man sich manchmal, ob das deutsche Lektorat die Bücher gelesen hat oder ob es irgendeinen total plausiblen Grund gibt, warum solche Merkmale geändert werden.

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  3. Amerdale schreibt:

    Danke :)
    Das mit dem Pink ist total unlogisch, denn wie gesagt der Farbton wird sogar in einem Essay erwähnt, und der deutsche Verlag musste dann extra eine Fußnote mit Erklärungen einfügen. Anstatt einfach das Cover in der Farbe zu lassen….

    Die Auswahl der Beitragenden ist traurig. Ich weiß ja nicht, wie sie entstanden ist, vielleicht hat Frau Curtis einfach ihre Freundinnen gefragt (das würde es vermutlich sogar recht gut erklären xD). Aber in einem Buch mit einem derart feministischen Anspruch muss einem als verantwortliche Editorin und auch dem Lektorat durch den Verlag meiner Meinung nach einfach auffallen, wie unausgewogen da die Auswahl ist.

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