{Gesehen} Terror – Ihr Urteil

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Darum geht es:
Am 26. Mai 2013 erhält Koch den Befehl, einen vollbesetzten, von Terroristen gekaperten Airbus vom Kurs abzudrängen, was ohne Erfolg bleibt. Ziel der Terroristen ist es, den Airbus in die ausverkaufte Münchner Allianz-Arena stürzen zu lassen, in der 70.000 Zuschauer dem Länderspiel Deutschland-England entgegenfiebern. Lars Koch entscheidet sich eigenmächtig, das Passagierflugzeug abzuschießen, um die Fußball-Fans zu retten. Alle 164 Airbus-Insassen sterben. Ist Koch schuldig, weil er 164 Menschen zum Objekt gemacht hat und damit deren Rechte und Menschenwürde verletzte?

Eckdaten:
Trailer
Jahr: 2016
Land: Deutschland
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: 6
Darsteller*innen: Burghardt Klaußner, Martina Gedeck, Florian David Fitz, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Rainer Bock

Meine Meinung:
Vorab: Ich hab den Film schon mal als Theaterstück gesehen und war von daher mit den Geschehnissen und dem Ablauf vertraut.

Aber auch dann sind es spannenden 1,5 Stunden Film. Obwohl oder gerade weil der Film sich ganz auf maximal 6 Personen in einem mehr als karg eingerichteten Gerichtssaal konzentriert und seine Wirkung vor allem durch die sehr überzeugend agierenden Schauspieler*innen erzielt.

Der Ablauf entspricht natürlich nur sehr bedingt dem eines wahren Gerichtsprozesses. Selbst wenn man von der Einbindung der Öffentlichkeit in die Urteilsfindung absieht, würde solch ein Prozess Monate dauern und nicht weniger als zwei Stunden. Aber um die realistische Abbildung des deutschen Justizsystems geht es hier auch nicht wirklich.

Stattdessen ist der Zuschauer gezwungen sich selbst eine Meinung zu bilden und die beiden gegensätzlichen Positionen und Argumenten von Staatsanwältin und Verteidiger einzuschätzen und zu werten. Was gar nicht mal so einfach ist, da beide viel Bezug auf Philosophie – hallo Kant! – legen und durchaus mit einem gewissen Anspruch argumentieren.

Allerdings fand ich es sehr schade, dass es auf Netflix keine Möglichkeit zum Abstimmen für die Zuschauer*innen gibt. Es werden zwar beide Urteilsversionen am Ende gezeigt, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn es trotzdem eine Abfrage gegeben hätte.

Und dann gab es noch zwei Punkte, die mich auch störten, wobei das wohl nicht wirklich am Film lag, sondern in der Vorlage genauso ist. Zum einen die nie begründete Antipathie zwischen Verteidiger und Richter. Mag sein, dass die sich nicht mögen und ist ja an sich auch kein Probleme, aber so offen zur Schau gestellt mit verbalten Seitenhieben von beiden wirkte es einfach total unprofessionell. Und gerade bei so einem Prozess, der ja sicher einiges an inter- und nationalem Aufsehen erregt, finde ich es nicht glaubhaft.
Und zum anderen die Sache mit der Räumung des Stadions. Darauf näher einzugehen, sprengt höchstwahrscheinlich den Rahmen des Gerichtsverfahrens beziehungsweise würde mehrere erfordern – die Räumung hat ja nichts mit Kochs Entscheidung direkt zu tun, und damit hätte der Film seinen Kammerspielhaften Rahmen verloren. Von daher ergibt es schon Sinn, das nur als Randbemerkung aufzugreifen. Aber ich finde das Verhalten der Verantwortlichen da so ungeheuerlich leichtsinnig und bewusst fahrlässig. Wäre da vernünftig gehandelt worden, hätte das auch das Verhalten von Koch in einem anderen Licht erscheinen lassen, weil sich dann auch die Entscheidungsgrundlage von Koch komplett geändert hätte.

Bechdel Test: 2/3 erfüllt
1) es gibt zwei namentlich eingeführte Frauen: die Staatsanwältin Frau Nelson und die Nebenklägerin Frau Meiser (Vornamen gibt’s nur beim Angeklagten)
2) die sich miteinander unterhalten: wenn man die Zeugenvernehmung als Unterhaltung betrachtet, ja
3) über etwas anderes als einen Mann: nicht wirklich, es geht immer um den verstorbenen Mann der Nebenklägerin oder den Angeklagten

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