{Gesehen} Comedian Harmonists

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Darum geht es:
Fasziniert von der amerikanischen A-Capella-Formation The Revellers beschließt der 20jährige Schauspielschüler Harry Frommermann 1927 auch in Berlin ein ähnliches Ensemble auf die Beine zu stellen. Dank einer Zeitungsannonce hat er schon bald ein schlagkräftiges Sextett zusammengestellt, das mit seinen flotten Liedern und frechen Texten schnell zu einem Begriff in ganz Deutschland wird. Ihr großer Erfolg macht die jüdischen Mitglieder der Gruppe allerdings blind für die Gefahr, die vom Nationalsozialismus ausgeht…

Eckdaten:
Trailer
Jahr: 1997
Land: Deutschland
Laufzeit: 126 Minuen
FSK: 6
Darsteller*innen: Ben Becker, Heino Ferch, Ulrich Noethen, Heinrich Schafmeister, Max Tidorf, Kai Wiesinger

Meine Meinung:
Ich mochte die Lieder der Comedian Harmonists schon lange, schon bevor ich die Anspielungen in „Veronika, der Lenz ist da“ überhaupt verstanden hab. Aber wirklich was über die Musiker wusste ich nie. Und dann bin ich eines Abends völlig ungeplant bei Netflix über den Film gestolpert.

Erwartet hatte ich nicht viel (mein Vertrauen in deutsche Produktionen ist, nun ja, gelinde gesagt nicht groß :D), aber allein schon, dass die Musik drin vorkommt, sollte zwei vergnügliche Stunden garantieren.
Was ich dann gesehen hab, war allerdings deutlich besser als erwartet. Wenn auch, dass muss ich ganz klar sagen, dass der Film es mit der historischen Korrektheit doch etwas frei nimmt. Allerdings: ohne den Film hätte ich nie nach der Gruppe gegoogelt, von daher… Immerhin hat er, wenn auch frei interpretiert, mein Interesse geweckt und mich dazu gebracht selbst zu recherchieren. Und ist das nicht eigentlich das Wichtigere?

Was ich dagegen unnötig in die Länge gezogen und auch einfach nicht überzeugend fand, war das Liebesdreieck. Es hat das wohl wirklich gegeben, nahm aber nie diesen Raum ein. Und vor allem, es besteht halt einfach keinerlei Chemie zwischen den drei beteiligten, die große Liebe spielt da keiner überzeugend. Und das macht diese Szenen doch etwas mühsam.

Ansonsten muss mensch natürlich die Musik mögen, sonst wird das Anschauen des Films vermutlich etwas zäh. Wobei zwar die Comedian Harmonists und ihr Aufstieg zum Welterfolg ganz klar im Fokus stehen, ist es gleichzeitig auch ein Film über Deutschland in den Jahren 1927 bis 1934 und was das für eine Gruppe bedeutet, die zur Hälfte aus Juden bestand. Spoiler: Nichts Gutes.
Und gerade in dem Bereich fand ich den Film total überzeugend. Denn die Gruppe will lange nicht wahrhaben, was da wirklich geschieht und welche Auswirkungen es haben könnte (und hatte). Und das wirkt so realistisch, ich mein wie gehen wir denn gerade mit dem braunen Gesocks in unseren Parlamenten um?

Ja doch, mit dem Film über diese erste deutsche Boy Band kann mensch durchaus einen Abend verbringen. Schöne Musik (original übrigens!), die zum Mitträllern einlädt, aber gleichzeitig wird auch eine durchaus ernste Thematik behandelt.

Bechdel Test: 1/3 erfüllt
1) es gibt zwei namentlich eingeführte Frauen: einige der Freundinnen bekommen einen Namen
2) die sich miteinander unterhalten: nope
3) über etwas anderes als einen Mann: nope

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