{Gelesen} Jodi Picoult: In den Augen der Anderen

Originaltitel: House Rules
Übersetzer*in: Rainer Schumacher
Taschenbuch, 685 Seiten
Bastei Lübbe, 2011
ISBN: 978-3-404-16824-8
Goodreads

Klappentext:
Jacob hasst es, wenn sein gewohnter Tagesablauf gestört wird. Routinen sind für ihn lebenswichtig, denn er leidet an Asperger-Syndrom. Doch als er des Mordes verdächtigt wird, bricht die von seiner Mutter Emma mühsam erkämpfte Normalität zusammen. Alle Indizien sprechen gegen Jacob. Aber Emma nimmt den Kampf auf. Denn es geht um das Laben ihres Sohnes – und um die Rechte von Menschen, die ‚anders‘ sind.

Meine Meinung:
Jacob hat Asperger.
Und Frau Picoult zeigt hier anschaulich was das bedeutet – für ihn, aber auch seine Mutter. Und ganz besonders für seinen neurotypischen Bruder, der durch die Bedürfnisse von Jacob an den Rand gedrängt, ja fast schon vernachlässigt wird. Und indirekt auch den Vater, der die Familie verlassen hatte, weil es ihm zu viel wurde.
Und auch wenn Jacob hier meinem Eindruck nach einfach mal jegliche mögliche Ausprägung von Asperger bekommen hat und somit eine etwas unrealistische Version ist, so ist das doch gut gelungen. Anhand von Jacob wird deutlich, wie sehr das Leben der kompletten Familie dadurch verändert wird und das Asperger-Betroffene eben nicht einfach irgendwelche weltentfremdeten Genies sind.

Allerdings wurde meine Meinung zu dem Buch stark negativ geprägt davon, dass Emma von Anfang an Impfungen für Jacobs Autismus verantwortlich macht. Und das auch nie von anderen Charakteren in Frage gestellt wird, sondern als Wahrheit hingenommen wird. Und in Anbetracht der Tatsache, dass die Verbindung zwischen Impfungen und Autismus jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt, finde ich das von Frau Picoult einfach verantwortungslos, diese falsche Behauptung in einem Buch – und ihre Bücher sind ja jetzt nicht gerade Indie-Veröffentlichungen mit nem Dutzend Leser*innen – widerspruchslos stehen zu lassen. Und es hat mir nicht nur das Buch verdorben, meine Lust auf weitere Bücher der Autorin ist danach auch stark gesunken.

Auch abgesehen von der Impf-Idiotie für mich deutlich eines der schwächeren Bücher der Autorin. Ich finde es zwar bewundernswert, wie die immer wieder aktuelle Themen aufgreift und es ihr gelingt sich in die verschiedenen Perspektiven der direkt und indirekt Betroffenen hinein zu versetzen; auch hier. Aber der Kriminalfall, um den hier alles andere aufgebaut wird, ist einfach viel zu konstruiert und hätte mit einem offenen 5-Minuten-Gesprächen geklärt sein können. Aber dann hätte das Buch halt nur 100 Seiten gehabt.

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