{Gesehen} Veronica Mars Season 4

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Darum geht es:
This season, spring breakers are getting murdered in Neptune, thereby decimating the seaside town’s tourist industry. After Mars Investigations is hired by the parents of one of the victims to find their son’s killer, Veronica is drawn into an epic eight – episode mystery that pits the enclave’s wealthy elites against the working class.

Eckdaten:
Trailer
Sender: Hulu
Jahr: 2019
Staffel: 4 von (bisher?) 4 plus 1 Film und 2 Bücher
Anzahl Folgen/Staffel: 8
Laufzeit einer Folge: 45 Minuten
Schauspieler*innen: Kristen Bell, Enrico Colatoni, Jason Dohring, Percy Drags III, Francis Capra, Ryan Hansen, Max Greenfield, Ken Marino, Daran Norris, David Starzyk, Dawnn Lewis, Kirby Howell-Baptiste, Clifton Collins, Izabela Vidovic, J. K. Simmons, Patton Oswalt
Rezensionen zu weiteren Staffeln: Season 1 / Season 2Film / Buch 1 / Buch 2

Meine Meinung:
Wow, that was … something.

Es ist ja bewundernswert, wie absolut Veronica Mars (Serie, nicht Charakter) nicht sterben beziehungsweise tot bleiben will. 3 Staffeln als Serie, ein von Fans finanzierter Film, 2 Bücher und jetzt – 15 (!!!) Jahre später – eine neue Staffel. Es ist also kein Wunder, dass ich mehr als gespannt war. Wie funktioniert Veronica als inzwischen erwachsene Privatdetektivin?

Und es funktioniert echt gut. Der Fall, eine Reihe von Bombenanschlägen in Neptune, war eine gute Mischung von offensichtlichen Verdächtigen und falschen Spuren. Es hatte viel von der Atmosphäre der alten Staffel, aber alles war erwachsener und noch stärker noir-artiger – was zugegeben auch deutlich einfacher ist, wenn die Hauptfigur erwachsen ist. Teenage-Veronica kann nicht einfach so mal den Stripclub besuchen…
Ich find es zwar immer noch merkwürdig, dass Neptune auf einmal eine der Locations für Spring-Break sein soll, wen das in der Originalserie nie auch nur erwähnt wurde, aber die Idee kam ja schon in dem letzten Buch auf und naja. Spring Break ist eh so was seltsames, dass ich nie kapieren werde.

Neptune ist auch immer noch Neptune. Super-reiche und super-arme und dazwischen ein paar Polizisten und Privatdetektive sowie Pflichtverteidiger. So gibt es natürlich auch unvermeidbar ein paar alte Bekannte, die Veronica trifft, aber ich fand es gut, dass sich der Fall hier zwar auf vertrautem Terrain abspielt, aber es keine Verbindungen zu Veronicas persönlicher Vergangenheit gibt.

Ja, was den Kriminalfall angeht, gibt es wenig zu meckern. Ist nicht alles realistisch, ein paar Logiklücken gibt es, aber nicht mehr als schon immer und wirklich erträglich. Unterhaltsam, die Zuschauer können gut miträtseln. Passt.

Mehr Schwächen gibt es auf der Seite der Charaktere. Und das fängt leider schon direkt mit Veronica an. Sie hat ja in ihren bisherigen etwas über 30 Lebensjahren schon einiges traumatisches mitmachen müssen und es ist wohl kein Wunder, dass sie ein recht kaputter teilweise sehr (selbst)zerstörerischer Charakter ist. Allerdings kam sie in dem Film und den Büchern – also allen Auftritten als erwachsene Veronica – deutlich gereifter und geistig-seelisch ausgeglichener rüber, als hier in der Serie. Und diese unerklärte Rückentwicklung war schon ziemlich irritierend, auch weil sie sich gegen jegliche Hilfe sträubt.

Und dann ist da die eine Figur, die einfach fehlt: Mac. In einem Nebensatz wird erwähnt, dass sie in Istanbul ist, was einfach null Sinn ergibt. Was macht denn Mac in Istanbul? Und warum kann Veronica, wenn sie eine fähige Hackerin braucht (sie tut es, es ist verdammt relevant für die Handlung), nicht mit Mac in  Istanbul skypen? Ich mein Hacker ist ja nun wirklich keine ortsgebundene Profession. Die Antwort ist simpel, dass Rob Thomas keine Lust hatte für Mac eine Handlung zu schreiben und Tina Majorino dann völlig zu Recht nicht als kleine, Nebenfigur auftreten wollte.

Und auch die anderen ‚alten‘ Charaktere kommen bis auf Logan und Keith einfach unheimlich zu kurz. Man sieht kaum was von Wallace – und keine seiner Szenen trägt irgendwas zur Handlung bei. Weevil ist wichtiger, aber die meisten seiner Szenen bestehen daraus, dass er und Veronica Zuschauern erklären, was in den Büchern passiert ist. Charakterentwicklung: Zero. Selbst Dick – und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal über Dick Cassablancas schreibe – taucht nur am Anfang auf, um dann ohne weitere Erklärung zu verschwinden (Ryan Hansen musste zu nem Filmdreh, es war also nicht Thomas‘ Schuld, aber es wird in der Serie nie erklärt).

Stattdessen wird sehr viel Zeit auf neue Figuren verlagert und das meiner Meinung nach nur bedingt gelungen. Zum einen ist da das beste Beispiel: Matty Ross. Ein Teenager, der nach persönlicher Tragödie und da das Police Department scheinbar nicht in der Lage ist den/die Schuldige#n zu finden, die Sache selbst in die Hand nimmt. Sich dabei gar nicht so doof anstellt, sich aber auch maßlos überschätzt. Jepp, eine neue Teenage Veronica Mars – diesmal allerdings mit der erwachsenen Veronica Mars als Mentor. Und es ist genial. Matty ist clever und sympathisch und ich würde „Matty, Teenage detective“ sofort schauen.
Allerdings gab es auch einen Gegenpunkt zu Matty – eine neue Figur, der viel zu viel Raum geschenkt wurde und die mich nervte. Penn Epner gespielt von Patton Oswalt. Es mag durchaus daran liegen, dass mir Oswalt einfach unsympathisch ist, obwohl ich ihn nicht wirklich kenne, aber ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Penn nur so viel Raum bekam, weil er eben von einem großen Namen gespielt wurde und es bei einem nicht so bekannten Schauspieler ganz anders ausgesehen hätte. Und das nervt mich, denn wie angemerkt, andere hätten diese Zeit durchaus brauchen können.

Aber trotz allem, war ich bis kurz vor dem Ende ziemlich begeistert von der Staffel. Guter Fall, es fühlte sich sehr nach Veronica Mars an, auch wenn es einige Schwachpunkte gab, aber dafür auch gute neu eingeführte Figuren, mit denen ich gern in den folgenden Staffeln mehr Zeit verbracht hätte.

Kurz vor dem Ende ist Folge 8 von 8, etwa Minute 30 von 45. In den restlichen 15 Minuten passiert etwas, dass a) meine Wertung um einen Stern verschlechtert hat und b) dazu geführt hat, dass ich keine weitere Staffel oder Film oder irgendwas von Veronica Mars sehen will (Ausnahme: Ein Spin-Off mit Matty, falls das jemals realisiert werden sollte). Denn von diesem ‚Höhepunkt‘ bin ich einfach nur unendlich enttäuscht. Es ist einfach eine unglaublich billige Möglichkeit um einen letzten Schockeffekt einzubauen. Und so komplett unnötig, weil das Ziel auch auf eine andere Weise – die die ganze Staffel über sowieso schon angedeutet wurde und somit viel organischer in die Handlung gepasst hätte! – erreicht werden konnte. Aber so wie es passiert ist, ist es einfach unheimliche Faulheit auf Seiten von Rob Thomas und ein großes „Fuck you!“ in Richtung Fans – was gerade bei Veronica Mars besonders weh tut.

Nope, für mich endet die Serie vor diesem Ereignis und alles was dann ist und vielleicht noch kommt, existiert für mich nicht.

Dieser Beitrag wurde unter 3 Sterne, Crime, Serien abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu {Gesehen} Veronica Mars Season 4

  1. bullion schreibt:

    Oh, du hast die Staffeln schon gesehen und oh, die letzten 15 Minuten klingen ja schlimm und so als hätte man eine Hauptfigur aus der Serie geschrieben oder so etwas. Hmm, ich werde irgendwann bestimmt auch reinschauen, mache mich aber schon einmal auf das Schlimmste gefasst.

    Gefällt 1 Person

  2. Amerdale schreibt:

    Ich sag es mal so: Die Fans sind ziemlich gespalten in ihrer Reaktion zu den letzten 15 Minuten. Alles andere wäre ein Spoiler. Aber schau die Staffel ruhig, bis dahin lohnt es sich, es ist erstaunlich wie gut sie die Atmosphäre aus den Teenage-Zeiten ins Erwachsene transportiert haben.

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